Energie-Glossar · R

Regelbarer Ortsnetztransformator (rONT)

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Ein regelbarer Ortsnetztransformator (rONT) ist ein Ortsnetztransformator, der das Übersetzungsverhältnis zwischen Mittel- und Niederspannungsnetz im laufenden Betrieb stufenweise verändern kann, um die Spannung im Niederspannungsnetz automatisch zu regeln. Dadurch kann sich mehr dezentrale Einspeisung aus Photovoltaik sowie mehr Verbrauch durch Wärmepumpen und Wallboxen aufnehmen, ohne dass Leitungen sofort verstärkt werden müssen.

Belegt durch:vde.com 1reinhausen.com 2

Spannung an der Ortsnetzstation regeln

  1. Spannungszustand erfassen
  2. Sollbereich vergleichen
  3. Übersetzungsverhältnis anpassen
  4. Niederspannung beeinflussen
Schematische Einordnung; die im Text erläuterten Bedingungen und Abgrenzungen bleiben maßgeblich.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Regelbarer Ortsnetztransformator (rONT)

  • Stufenschalter verändert unter Last automatisch das Übersetzungsverhältnis zwischen Mittel- und Niederspannung
  • Erweitert das nutzbare Spannungsband im Niederspannungsnetz und entkoppelt es vom Mittelspannungsniveau
  • Häufig wirtschaftlichere Alternative zum klassischen Leitungsausbau in Wohngebieten mit vielen PV-Anlagen
  • Regelt nur die Spannung, nicht die thermische Auslastung von Leitungen und Kabeln
  • Im öffentlichen Verteilnetz entscheidet der zuständige Netzbetreiber über Einsatz und Regelung

Wie funktioniert die Spannungsregelung im rONT?

Ein rONT verändert im laufenden Betrieb, also ohne Unterbrechung der Versorgung, über einen Stufenschalter das Übersetzungsverhältnis zwischen der Mittelspannungs- und der Niederspannungsseite. Speist beispielsweise mittags eine hohe PV-Leistung in ein Niederspannungsnetz mit langen Leitungswegen ein, steigt dort ohne Gegenmaßnahme die Spannung an – teils über die nach EN 50160 zulässige Toleranz von rund zehn Prozent um die Nennspannung hinaus. Der rONT verändert die Übersetzung so, dass die Niederspannung abgesenkt wird. Das funktioniert innerhalb seines Regelbereichs und der übrigen Netzgrenzen; beliebige Störungen der Mittelspannung kann er nicht ausgleichen.

Dadurch entkoppelt der rONT die Spannungsniveaus von Nieder- und Mittelspannungsnetz stärker als ein herkömmlicher Ortsnetztransformator mit fester Übersetzung. Das gewonnene Spannungsband kann genutzt werden, um mehr Einspeise- und Entnahmeleistung im selben Netzabschnitt zuzulassen, bevor eine Netzverstärkung technisch erforderlich wird.

Warum setzen Netzbetreiber rONT statt klassischem Netzausbau ein?

Ein rONT ist in vielen Fällen die wirtschaftlichere Lösung, weil ein geeigneter rONT an einem zentralen Punkt – der Transformatorstation – eingesetzt werden kann, statt Kabeltrassen in der Fläche zu erneuern oder zu verstärken. Für den Netzbetreiber bedeutet das kürzere Bauzeiten, geringere Tiefbaukosten und weniger Eingriffe in öffentliche Flächen. Der rONT wird deshalb gezielt an Netzknoten eingesetzt, an denen viele PV-Anlagen, Wärmepumpen oder Ladepunkte in kurzer Zeit hinzukommen und die Spannungshaltung an ihre Grenzen stößt.

Was bedeutet ein rONT für Betreiber von PV-Anlagen und Wallboxen im Quartier?

Für Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften mit mehreren PV-Anlagen, Wallboxen oder Wärmepumpen im selben Straßenzug kann ein rONT in der zuständigen Transformatorstation bedeuten, dass Netzanschlussanfragen schneller und ohne kostenintensive Vorbedingungen genehmigt werden, weil das Spannungsproblem entschärft ist. Am eigentlichen Anmeldeprozess ändert das jedoch nichts: Die jeweils geltenden Anmelde- und Anschlussregeln bleiben bestehen. Eine MaStR-Registrierung betrifft insbesondere Stromerzeugungsanlagen und Speicher; nicht jede Wallbox oder Wärmepumpe ist als solche registrierungspflichtig. Der rONT wirkt im Hintergrund des Netzes und ist für die einzelne Liegenschaft nicht sichtbar oder steuerbar.

Wo liegen die Grenzen der Technologie?

Ein rONT löst ausschließlich Spannungsprobleme, keine thermischen Engpässe. Wenn viele Wallboxen oder Wärmepumpen gleichzeitig hohe Ströme ziehen, kann eine Leitung an ihre Strombelastungsgrenze stoßen, auch wenn die Spannung im zulässigen Band bleibt. In solchen Fällen sind zusätzliche Maßnahmen wie Steuerung, Netzumschaltung oder Leitungsausbau zu prüfen. Die Investitionskosten für den rONT selbst fließen wie andere Netzinvestitionen in die Kalkulation der Netzentgelte ein und werden damit letztlich über alle Netznutzer refinanziert.

In der Netzplanung wird der rONT deshalb meist als eines von mehreren Instrumenten neben Blindleistungsmanagement, Einspeisemanagement und punktuellem Leitungsausbau betrachtet. Welche Kombination am wirtschaftlichsten ist, ermittelt der Netzbetreiber im Einzelfall anhand von Lastprognosen für den jeweiligen Netzabschnitt. Da ein Transformator üblicherweise mehrere Jahrzehnte im Netz verbleibt, wird bei einem ohnehin anstehenden Austausch häufig direkt auf die regelbare Variante gesetzt, auch wenn der aktuelle Engpass noch moderat ist, um spätere Nachrüstungen zu vermeiden und die Netzinfrastruktur zukunftsfähig aufzustellen.

Quellen & Verweise

  1. VDE FNN — rONT – Einsatz in Netzplanung und Netzbetrieb. vde.com · Abruf
  2. Maschinenfabrik Reinhausen — 10.000 rONT – Funktionsweise und Netzplanung. reinhausen.com · Abruf

Häufige Fragen zu Regelbarer Ortsnetztransformator (rONT)

Was unterscheidet einen rONT von einem normalen Ortsnetztransformator?

Ein normaler Ortsnetztransformator hat ein festes Übersetzungsverhältnis, das nur im spannungslosen Zustand über feste Anzapfungen verändert werden kann. Ein rONT besitzt einen Stufenschalter, der das Übersetzungsverhältnis automatisch und im laufenden Betrieb anpasst, um die Spannung im Niederspannungsnetz konstant im zulässigen Band zu halten.

Wer entscheidet, ob im eigenen Quartier ein rONT verbaut wird?

Das entscheidet ausschließlich der zuständige Verteilnetzbetreiber im Rahmen seiner Netzplanung. Anlagenbetreiber, Hausverwaltungen oder Eigentümer haben darauf keinen direkten Einfluss, können aber bei wiederkehrenden Spannungsproblemen den Netzbetreiber kontaktieren.

Löst ein rONT alle Netzengpassprobleme in meiner Straße?

Nein. Ein rONT vergrößert nicht automatisch die thermische Belastbarkeit einer Leitung. Bei Stromengpässen sind weitere Maßnahmen nötig, etwa gezielte Steuerung, Netzumschaltung oder Verstärkung. Welche Lösung zulässig und ausreichend ist, muss der Netzbetreiber prüfen.

Muss ich als Anlagenbetreiber für den rONT extra zahlen?

Nicht direkt. Die Kosten für rONT-Investitionen des Netzbetreibers fließen wie andere Netzausbaukosten in die allgemeine Netzentgeltkalkulation ein und werden über die Netzentgelte aller Netznutzer refinanziert.

Verwandte Begriffe

Weitere Begriffe mit R

REMITREMIT ist die EU-Verordnung über Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarkts. Sie verbietet Insiderhandel und Marktmanipulation bei erfassten Großhandelsprodukten für Strom, Erdgas und Wasserstoff und regelt unter anderem Registrierung, Datenmeldungen und die Veröffentlichung von Insiderinformationen.RFNBORFNBO sind erneuerbare Brenn- und Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs, etwa entsprechend nachgewiesener Wasserstoff und daraus hergestellte E-Fuels. Für ihre Anrechnung gelten Anforderungen an den erneuerbaren Strom, die Treibhausgasbilanz und die Nachweiskette.RLMDie registrierende Lastgang- oder Leistungsmessung erfasst den Energiebezug zeitlich aufgelöst. Bei Strom sind viertelstündliche Werte üblich. Messverfahren, Bilanzierung und die Preisstruktur des Liefervertrags müssen dabei getrennt betrachtet werden.ReFuelEU AviationReFuelEU Aviation ist eine 2023 verabschiedete EU-Verordnung, die Kraftstofflieferanten verpflichtet, an erfassten Unionsflughäfen einen steigenden Mindestanteil nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF) bereitzustellen. Seit 2025 gilt eine Quote von mindestens 2 Prozent, die bis 2050 schrittweise auf 70 Prozent ansteigt.RedispatchRedispatch ist die gezielte Anpassung von Erzeugung oder Speicherbetrieb durch Netzbetreiber, um Netzengpässe zu beherrschen. Betroffene Anlagen erhalten nach den gesetzlichen Regeln einen bilanziellen beziehungsweise finanziellen Ausgleich.Redispatch 2.0Redispatch 2.0 bezeichnet das seit Oktober 2021 erweiterte Engpassmanagement im Stromnetz. Netzbetreiber veranlassen Änderungen von Erzeugung oder Speicherbetrieb; für Anwendungsbereich, Datenprozesse und Ausgleich gelten die jeweiligen gesetzlichen und regulatorischen Regeln.
Erstgespräch