Energie-Glossar · E

Erneuerbare Energien

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Erneuerbare Energien sind Energiequellen, die sich in menschlichen Zeitmaßstäben natürlich erneuern: Sonnenenergie (Photovoltaik, Solarthermie), Windenergie, Wasserkraft, Biomasse, Geothermie und Meeresenergie. Ihre Klimawirkung hängt von Technologie und Lebenszyklus ab; insbesondere bei Biomasse entstehen auch im Betrieb Emissionen.

Belegt durch:umweltbundesamt.de 1umweltbundesamt.de 2ise.fraunhofer.de 3umweltbundesamt.de 4gesetze-im-internet.de 5gesetze-im-internet.de 6

Erneuerbare Quellen im Überblick

Photovoltaik und SolarthermieSonne
StromerzeugungWind und Wasser
Strom, Wärme und KraftstoffeBiomasse
Wärme aus dem UntergrundGeothermie
Schematische Einordnung. Die im Text erläuterten Voraussetzungen und Grenzen bleiben maßgeblich.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Erneuerbare Energien

  • 2025 deckten Erneuerbare 55,1 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs (2024: 54,4 Prozent, Umweltbundesamt)
  • Im Stromsektor ist die größte erneuerbare Quelle die Windenergie, gefolgt von Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft
  • Ziel bis 2030: 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen, gefördert vor allem über das EEG
  • Wind- und Solarstrom zählen zu den günstigsten Stromquellen weltweit – ohne Brennstoffkosten im Betrieb
  • Hauptherausforderung ist die wetterabhängige Fluktuation, die Speicher, Netze und flexible Lasten erfordert

Welche Energiequellen zählen zu den erneuerbaren Energien?

Erneuerbar sind alle Energiequellen, die sich in menschlichen Zeitmaßstäben natürlich regenerieren: Sonnenenergie in Form von Photovoltaik und Solarthermie, Windenergie an Land und auf See, Wasserkraft, Biomasse einschließlich Biogas und Biomethan, Geothermie sowie Meeresenergie. Wind- und Solaranlagen erzeugen ohne Verbrennung Strom. Biomasse setzt bei der Verbrennung hingegen CO₂ frei; Nachhaltigkeit, Nachwachsen, Landnutzung und Vorketten sind für ihre Klimabilanz entscheidend.

Sonnen- und Windenergie benötigen im Betrieb keine Brennstoffe. Das gilt nicht für Biomasseanlagen, die Brennstoffe beschaffen müssen. Auch erneuerbare Ressourcen sind nicht an jedem Standort unbegrenzt nutzbar: Flächen, Ökosysteme, Wasserdargebot und nachhaltige Biomasseverfügbarkeit begrenzen das Potenzial. Die Kosten hängen von Technologie, Standort und Finanzierung ab.

Wie hoch ist der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland?

Nach Umweltbundesamt lag der erneuerbare Anteil am deutschen Bruttostromverbrauch 2025 bei 55,1 Prozent, nach 54,4 Prozent im Jahr 2024. Die erneuerbare Stromerzeugung betrug 2025 rund 290,2 TWh, davon rund 133,9 TWh Windenergie. Wind war damit die größte erneuerbare Stromquelle; über alle Energiesektoren zusammen ist dagegen Biomasse die größte erneuerbare Quelle. Stromerzeugungs- und Verbrauchsanteile dürfen nicht verwechselt werden.

Das Ausbautempo bleibt hoch, verlagert sich aber: Die installierte Photovoltaik-Leistung wuchs laut Umweltbundesamt allein 2025 um rund 17 Prozent auf knapp 120 Gigawatt, während der Windausbau an Land hinter den Zielen zurückliegt. Bis 2030 sollen 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammen – gefördert vor allem über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit Ausschreibungen und Marktprämien.

Was sind die Vorteile – und wo liegen die Herausforderungen?

Wind- und Solarenergie verringern den Bedarf an fossilen Brennstoffen und deren Preisrisiken. Herstellung, Bau und Betrieb verursachen dennoch Kosten und Lebenszyklusemissionen. Wetterabhängige Erzeugung benötigt Flexibilität auf mehreren Ebenen:

  • Speicher – von Batteriespeichern für Stunden bis zu Langzeitspeichern wie Wasserstoff
  • Steuerbare Lasten, die ihren Verbrauch in erzeugungsstarke Stunden verschieben
  • Netzausbau, um Erzeugungs- und Verbrauchsregionen zu verbinden
  • Gesicherte Backup-Kapazität für wind- und sonnenarme Phasen

Diese Systemkosten sind der Preis der Transformation – sie erscheinen als Netzentgelte, Umlagen und Kapazitätsmechanismen, während die reinen Erzeugungskosten sinken. Die Debatte um Strompreise dreht sich zunehmend um diese Integrationskosten, nicht mehr um die Erzeugung selbst.

Warum lohnen sich Erneuerbare für Unternehmen und Immobilieneigentümer?

Erneuerbare Energien können auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Bei PV-Eigenverbrauch können Teile des Netzbezugs entfallen; Investition, Betrieb und verbleibende Entgelte müssen mitgerechnet werden. PPAs können vertraglich kalkulierbare Beschaffung ermöglichen, haben aber eigene Mengen-, Preis- und Bonitätsrisiken. Die Klimabilanz elektrischer Anwendungen hängt unter anderem vom Strommix und ihrer Effizienz ab; eine automatische Verbesserung in jedem Kalenderjahr ist nicht garantiert.

Für Immobilieneigentümer und Hausverwaltungen sind Einspeisevergütung, Mieterstrom, gemeinschaftliche Gebäudeversorgung und passende Förderprogramme mögliche Bausteine. Die frühere 65-Prozent-Regel des § 71 GEG ist nicht mehr geltendes Recht: § 71 wurde im Gebäudemodernisierungsgesetz aufgehoben. Gebäude- und förderrechtliche Anforderungen sind deshalb anhand der aktuellen Vorschriften projektbezogen zu prüfen.

Quellen & Verweise

  1. Umweltbundesamt — Erneuerbare Energien. umweltbundesamt.de · Abruf
  2. Umweltbundesamt — Erneuerbare Energien in Zahlen. umweltbundesamt.de · Abruf
  3. Fraunhofer ISE — Stromgestehungskosten erneuerbare Energien. ise.fraunhofer.de · Abruf
  4. Umweltbundesamt — Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger. umweltbundesamt.de · Abruf
  5. Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz — GModG § 71. gesetze-im-internet.de · Abruf
  6. Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz — EEG § 1. gesetze-im-internet.de · Abruf

Häufige Fragen zu Erneuerbare Energien

Wie viel Prozent des deutschen Stroms sind aktuell erneuerbar?

Bezogen auf den Bruttostromverbrauch lag der Anteil laut Umweltbundesamt 2025 bei 55,1 Prozent, nach 54,4 Prozent im Jahr 2024. Bei der öffentlichen Nettostromerzeugung – also ohne Industrieeigenerzeugung – liegt der Anteil noch höher. Ziel für 2030 sind 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs.

Was passiert, wenn Wind und Sonne nicht liefern?

Dann springen steuerbare Kraftwerke, Speicher und Stromimporte ein; zusätzlich können flexible Verbraucher ihre Last verschieben. Für längere wind- und sonnenarme Phasen – sogenannte Dunkelflauten – braucht das System gesicherte Backup-Kapazität, deren Absicherung derzeit über Kraftwerksstrategie und Kapazitätsmechanismen diskutiert wird.

Ist Strom aus Erneuerbaren wirklich billiger als aus fossilen Kraftwerken?

Das hängt von Technologie und Standort ab. Die Fraunhofer-ISE-Studie 2024 ermittelt für geeignete Wind- und Solarprojekte niedrige Stromgestehungskosten. Diese ersetzen aber keinen Vergleich der Gesamtsystemkosten einschließlich Netzen, Flexibilität und gesicherter Leistung.

Lohnt sich eine PV-Anlage für mein Unternehmen oder meine Immobilie?

Das muss projektbezogen berechnet werden. Dachzustand, Ertrag, Investition, Finanzierung, Lastprofil, Eigenverbrauch und Einspeiseerlöse bestimmen die Wirtschaftlichkeit. Eine bestimmte Amortisationszeit lässt sich ohne diese Daten nicht zusagen.

Verwandte Begriffe

Weitere Begriffe mit E

E-FuelsE-Fuels sind strombasierte Kraftstoffe. Häufig wird zunächst Wasserstoff per Elektrolyse hergestellt und anschließend zu weiteren Kraftstoffen verarbeitet. Ob ein Produkt als erneuerbar angerechnet werden darf, hängt von seiner Herstellung und den erforderlichen Nachweisen ab.ECC (European Commodity Clearing)Die European Commodity Clearing AG (ECC) ist ein Clearinghaus der EEX Group. Als zentrale Gegenpartei tritt sie bei zum Clearing angenommenen Geschäften zwischen Käufer und Verkäufer und organisiert die finanzielle beziehungsweise physische Abwicklung nach ihren Clearingbedingungen.EDIFACT-MarktkommunikationEDIFACT-Marktkommunikation bezeichnet den elektronischen Datenaustausch im deutschen Energiemarkt auf Basis des internationalen EDIFACT-Standards. Über standardisierte Nachrichten wickeln Netzbetreiber, Lieferanten und Messstellenbetreiber viele Marktprozesse ab – vom Lieferantenwechsel bis zur Abrechnung.EDL-G (Energiedienstleistungsgesetz)Das Energiedienstleistungsgesetz verpflichtet Unternehmen, die nach § 1 Nummer 4 keine kleinen oder mittleren Unternehmen sind, grundsätzlich zu wiederkehrenden Energieaudits. Befreiungen und eine vereinfachte Erfüllung bei geringem Verbrauch regelt § 8 EDL-G.EED (EU-Energieeffizienzrichtlinie)Die Energieeffizienzrichtlinie der EU (EED) setzt den europäischen Rahmen für Energieeinsparung, Energieaudits und Energiemanagement. Sie richtet Vorgaben an die Mitgliedstaaten; für deutsche Unternehmen sind die einschlägigen nationalen Gesetze zusätzlich entscheidend.EEGDas Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt in Deutschland unter anderem Netzanschluss, Abnahme und finanzielle Förderung von Strom aus erneuerbaren Quellen. Förderform, Höhe und Dauer hängen von Anlagentyp, Leistung, Inbetriebnahme und weiteren gesetzlichen Voraussetzungen ab.
Erstgespräch