Energie-Glossar · B
Biogas
Biogas ist ein Gasgemisch aus der anaeroben Vergärung organischer Stoffe wie Gülle, Energiepflanzen oder Bioabfällen. Es besteht hauptsächlich aus Methan (je nach Substrat etwa 50–75 %) sowie Kohlendioxid und weiteren Bestandteilen und wird in BHKW verstromt oder zu Biomethan aufbereitet.
Belegt durch:bdew.de 1umweltbundesamt.de 2
Vom Reststoff zur nutzbaren Energie
- Organische Stoffe
- Vergärung
- Biogas
- BHKW / Aufbereitung
Die wichtigsten Informationen zu Biogas
- Entsteht durch anaerobe Vergärung von Gülle, Mist, Energiepflanzen und organischen Reststoffen im Fermenter
- Zusammensetzung abhängig vom Substrat; Methananteil etwa 50–75 %
- Nutzung: Verstromung im BHKW mit EEG-Vergütung (überwiegend Direktvermarktung mit Marktprämie) oder Aufbereitung zu Biomethan
- Regelbar und damit ein Baustein der Residuallastdeckung – anders als Wind und Solar bedarfsgerecht einsetzbar
- Trend: weg von Energiepflanzen, hin zu Rest- und Abfallstoffen sowie flexibler Fahrweise
Wie entsteht Biogas und wie wird es genutzt?
Biogas entsteht, wenn Mikroorganismen organisches Material unter Luftabschluss zersetzen. In landwirtschaftlichen Biogasanlagen werden dafür Gülle, Mist und Energiepflanzen in beheizten Fermentern vergoren; daneben gewinnen Kläranlagen Klärgas aus Klärschlamm und Abfallverwerter Biogas aus organischen Reststoffen wie Bioabfall oder Speiseresten. Das entstehende Gasgemisch besteht zu 50 bis 75 Prozent aus Methan sowie aus Kohlendioxid und weiteren Bestandteilen.
Für die Nutzung gibt es zwei Hauptwege: Die meisten Anlagen verstromen das Biogas vor Ort in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) und nutzen die anfallende Abwärme; alternativ wird das Rohbiogas zu Biomethan aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist. Die Verstromung wird über das Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet – überwiegend in der Direktvermarktung mit Marktprämie, bei der der Strom an der Börse verkauft und die Differenz zum Förderwert ausgeglichen wird. Ausgeförderte Bestandsanlagen, deren ursprünglicher Vergütungszeitraum ausläuft, können sich über Ausschreibungen eine Anschlussförderung sichern.
Neben Gas entsteht bei der Vergärung ein zweites Produkt: der Gärrest. Er enthält die Nährstoffe des eingesetzten Substrats und wird als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht – für viele Betriebe ein geschlossener Nährstoffkreislauf, der Mineraldünger ersetzt. Zugleich unterliegt die Ausbringung düngerechtlichen Vorgaben, was Lagerkapazitäten und Flächenverfügbarkeit zu Planungsfaktoren macht.
Warum ist Biogas für das Stromsystem besonders wertvoll?
Der besondere Wert von Biogas liegt in seiner Regelbarkeit: Anders als Wind- und Solaranlagen kann eine entsprechend ausgelegte Biogasanlage ihre Stromproduktion bedarfsgerecht steuern – das Gas lässt sich speichern und gezielt dann verstromen, wenn es gebraucht wird. In einem Stromsystem mit wachsendem Wind- und Solaranteil wird genau diese Fähigkeit knapper und wertvoller: Biogasanlagen können die Residuallast decken, also die Lücke zwischen Verbrauch und fluktuierender EE-Erzeugung.
Die Flexibilisierung wird deshalb gezielt gefördert: Anlagenbetreiber investieren in größere Gasspeicher und zusätzliche BHKW-Leistung, um statt im Dauerbetrieb gezielt in Hochpreisstunden zu fahren. Eine flexibilisierte Anlage produziert dieselbe Strommenge, konzentriert sie aber auf die Stunden mit hoher Nachfrage – das kann höhere Markterlöse ermöglichen. Speichergröße, Wärmebedarf und Betriebskosten begrenzen den Nutzen.
Welche Rolle spielt Biogas für Kommunen und Wärmekunden?
Für Kommunen und Wärmekunden sind Biogasanlagen vor allem als Wärmelieferanten interessant: Die Abwärme des BHKW kann über Nahwärmenetze ganze Ortsteile versorgen – eine in vielen ländlichen Gemeinden bereits etablierte Lösung, die auch in der kommunalen Wärmeplanung eine Rolle spielt. Für angeschlossene Gebäude kann ein solches Wärmenetz zudem die Anforderungen an erneuerbares Heizen erfüllen, ohne dass jedes Haus eine eigene neue Heizung braucht.
Begrenzend wirken drei Faktoren: die Substratkosten, die stark von Agrarmärkten abhängen, der Genehmigungsaufwand für Bau und Erweiterung sowie die Flächenkonkurrenz beim Energiepflanzenanbau – Mais für die Biogasanlage konkurriert mit Lebensmittelproduktion und Naturschutz. Der Trend geht deshalb klar zu Rest- und Abfallstoffen als Substrat: Gülle, Bioabfall und Nebenprodukte können zusätzliche Anbauflächen vermeiden. Auch ihre Nutzung hat Umweltwirkungen und kann mit anderen Verwendungen konkurrieren.
Quellen & Verweise
- BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft — Wie funktioniert Biomasse als Energieträger?. bdew.de · Abruf
- Umweltbundesamt — Bioenergie. umweltbundesamt.de · Abruf
Häufige Fragen zu Biogas
Was ist der Unterschied zwischen Biogas und Biomethan?
Biogas ist das Rohgas aus dem Fermenter mit 50 bis 75 Prozent Methananteil, das meist direkt vor Ort verstromt wird. Biomethan ist auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas mit hohem Methananteil, das ins Gasnetz eingespeist werden kann und fossiles Erdgas vollständig ersetzt.
Warum gelten Biogasanlagen als flexibel – Wind und Solar aber nicht?
Weil sich das Gas speichern lässt: Eine Biogasanlage kann die Verstromung in Stunden mit hoher Nachfrage und hohen Preisen verlagern, während Wind- und Solaranlagen nur produzieren können, wenn das Wetter es zulässt. Diese Regelbarkeit macht Biogas zu einem Baustein der Residuallastdeckung.
Lohnt sich ein Nahwärmeanschluss an eine Biogasanlage?
Das hängt vom Anschlussangebot und der langfristigen Wärmeerzeugung ab. Ein Anschluss kann die eigene Wärmeerzeugung ersetzen, hat aber Anschlusskosten und laufende Entgelte. Prüfen sollten Sie Preisgleitklauseln, Vertragslaufzeit und die langfristige Perspektive der Anlage – etwa ob eine Anschlussförderung gesichert ist.
Was passiert mit Biogasanlagen, deren EEG-Förderung ausläuft?
Ausgeförderte Anlagen können über Ausschreibungen eine Anschlussförderung erhalten, auf Biomethanaufbereitung umstellen oder ihre Erlöse aus Wärmeverkauf und flexibler Stromvermarktung erwirtschaften. Ohne eine dieser Perspektiven droht die Stilllegung – für angeschlossene Wärmenetze ein Punkt, den Kommunen früh klären sollten.
