Energie-Glossar · L

Lastgang

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Der Lastgang ist der zeitliche Verlauf des Energieverbrauchs oder der Leistungsaufnahme. Bei mehr als 100.000 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch wird eine Zählerstandsgangmessung oder, soweit erforderlich, eine viertelstündliche registrierende Lastgangmessung eingesetzt. Für Gas gelten eigene Verbrauchs- und Leistungsgrenzen.

Belegt durch:bundesnetzagentur.de 1gesetze-im-internet.de 2

Messgrenzen für Lastgänge bei Strom und Gas

> 100.000 kWh/JahrStrom-Jahresverbrauch
viertelstündliche RLM, soweit erforderlichStrommessung
> 1,5 Mio. kWh/JahrGas-Jahresverbrauch
> 500 kWh/hGas-Leistung
Strom- und Gasgrenzen gelten jeweils erst oberhalb der genannten Werte; eine 15-Minuten-RLM erfolgt, soweit erforderlich.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Lastgang

  • Strom über 100.000 kWh/Jahr: Zählerstandsgangmessung oder, soweit erforderlich, viertelstündliche RLM.
  • Gas: übliche RLM-Abgrenzung über 1,5 Mio. kWh/Jahr oder über 500 kWh/h; Netzbetreiberregeln beachten.
  • Liefert Jahreshöchstlast, Jahresarbeit, Lastfaktor und Verbrauchsprofile
  • Basis für Peak Shaving, Ausschreibungen und strukturierte Beschaffung
  • Lastgänge machen Verbrauchs- und Mengenrisiken für eine Angebotsanfrage besser bewertbar.

Wer wird per Lastgang gemessen?

Nach § 55 MsbG erfolgt die Strommessung bei mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch als Zählerstandsgangmessung oder, soweit erforderlich, viertelstündliche RLM. Bei kleineren Verbrauchern mit intelligentem Messsystem werden ebenfalls zeitaufgelöste Werte erfasst. Die Monitoring-Definition der Bundesnetzagentur grenzt Gas-RLM bei mehr als 1,5 Mio. kWh jährlich oder mehr als 500 kWh/h ab; abweichende Netzbetreiberfestlegungen sind möglich. Strom- und Gaszeitreihen haben unterschiedliche Mess- und Bilanzierungsregeln.

Kleinere Kunden wurden bislang über Standardlastprofile abgebildet – statistische Näherungen statt echter Messwerte. Mit dem Smart-Meter-Rollout ändert sich das schrittweise: Intelligente Messsysteme liefern zunehmend auch für kleinere Abnahmestellen echte Viertelstundenwerte und machen den Lastgang damit zur Regel statt zur Ausnahme.

Was lässt sich aus dem Lastgang ablesen?

Der Lastgang macht den zeitlichen Gesamtverbrauch sichtbar: Aus ihm lassen sich Jahreshöchstlast, Jahresarbeit, Lastfaktor und typische Verbrauchsprofile ableiten. Er zeigt, wann Spitzen auftreten, wie hoch die Grundlast nachts und am Wochenende ist und ob einzelne Prozesse den Verbrauch dominieren.

Industrie- und Gewerbekunden nutzen Lastganganalysen zur Identifikation von Einsparpotenzialen, zur Verringerung des Leistungsentgelts durch Peak Shaving und als Datenbasis für Ausschreibungen und strukturierte Beschaffung. Zusammen mit Erzeugungs-, Einspeise- und gegebenenfalls Speicherdaten lässt sich bestimmen, welcher Anteil des Verbrauchs durch PV-Eigenerzeugung gedeckt wird – die wichtigste Größe für die Wirtschaftlichkeitsrechnung. Auffällig hohe Grundlast außerhalb der Betriebszeiten ist dabei einer der häufigsten Befunde und ein Anlass, Abschaltmöglichkeiten sowie technisch erforderliche Dauerlasten zu prüfen.

Wie verbessert der Lastgang Ihre Einkaufskonditionen?

Ein belastbarer Lastgang verbessert die Grundlage für Lieferangebote. Der Lieferant kann das zeitliche Profil besser bewerten und Unsicherheiten reduzieren. Preisaufschläge verschwinden dadurch nicht automatisch: Prognoseabweichungen, Vertragsflexibilität und weitere Risiken bleiben zu kalkulieren.

Der Lastgang ist beim bisherigen Lieferanten oder beim Messstellenbetreiber anzufordern und sollte jeder Angebotsanfrage beiliegen – idealerweise als lückenlose Zeitreihe über mindestens zwölf Monate, damit saisonale Effekte sichtbar werden. Für Hausverwaltungen und Unternehmen mit mehreren Abnahmestellen gilt das umso mehr: Bei Bündelausschreibungen entscheidet die Datenqualität der Lastgänge maßgeblich über die Zahl und Qualität der Angebote. Wer strukturierte Beschaffung oder Tranchenmodelle nutzt, braucht den Lastgang ohnehin laufend als Prognose- und Controllinggrundlage.

Quellen & Verweise

  1. Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt — Definitionsliste Monitoring Energie 2026. bundesnetzagentur.de · Abruf
  2. Bundesministerium der Justiz — § 55 MsbG – Messwerterhebung Strom. gesetze-im-internet.de · Abruf

Häufige Fragen zu Lastgang

Wo bekomme ich meinen Lastgang?

Fragen Sie den Messstellenbetreiber oder Lieferanten nach den für Ihre Messstelle verfügbaren Daten und Exportmöglichkeiten. Für einen Vergleich ist eine möglichst vollständige Zeitreihe über zwölf Monate hilfreich. Ob Viertelstundenwerte vorliegen, hängt vom Messverfahren ab.

Warum verlangen Lieferanten vor einem Angebot den Lastgang?

Weil der Beschaffungspreis vom zeitlichen Profil abhängt: Verbrauch in Hochpreisstunden ist teurer einzukaufen als Grundlast. Ohne Lastgang muss der Lieferant das Risiko schätzen und kalkuliert entsprechende Aufschläge ein.

Haben auch kleine Gewerbekunden einen Lastgang?

Unterhalb von 100.000 kWh Jahresverbrauch (Strom) gibt es klassisch keine RLM-Messung, sondern Standardlastprofile. Mit einem intelligenten Messsystem aus dem Smart-Meter-Rollout stehen aber zunehmend auch dort echte Viertelstundenwerte zur Verfügung.

Hilft der Lastgang beim Energiesparen?

Ja. Eine hohe Nacht- oder Wochenendlast kann auf unnötig laufende Anlagen hinweisen, aber auch betrieblich erforderlich sein. Zur Identifikation einzelner Verbraucher sind Betriebsdaten oder Untermessungen nötig; Einsparungen ergeben sich erst aus geeigneten Maßnahmen.

Verwandte Begriffe

Weitere Begriffe mit L

L-GasL-Gas (Low-calorific gas) ist Erdgas mit niedrigerem Energiegehalt je vergleichbarem Normvolumen und meist höherem Stickstoffanteil als H-Gas. Hauptquelle waren die niederländischen Groningen-Felder, deren Förderung im Oktober 2023 gestoppt und im April 2024 endgültig eingestellt wurde.LCOE (Levelized Cost of Energy)LCOE (Levelized Cost of Energy) sind die über eine angenommene Lebensdauer berechneten durchschnittlichen Stromgestehungskosten einer Anlage. Sie setzen abgezinste Kosten zur abgezinsten Stromerzeugung ins Verhältnis. Die Kennzahl hilft beim Kostenvergleich, ersetzt aber keine Erlös- und Wirtschaftlichkeitsrechnung.LNGLNG (Liquefied Natural Gas) ist Erdgas, das durch Abkühlung auf etwa −162 °C verflüssigt und dabei auf rund 1/600 seines Volumens verdichtet wird. LNG ermöglicht den Transport per Schiff in Regionen ohne Pipelineanschluss und dient der Diversifizierung der Gasversorgung.LNG-Beschleunigungsgesetz (LNGG)Das LNG-Beschleunigungsgesetz (LNGG) vom Mai 2022 verkürzte Genehmigungs- und Vergabeverfahren für den Bau von Flüssigerdgas-Terminals und deren Anbindungsleitungen in Deutschland, um nach dem Wegfall russischer Pipeline-Lieferungen schnell Importkapazitäten aufzubauen. Es war als befristetes Kriseninstrument angelegt: Die zentralen Beschleunigungsvorschriften sind nach § 14 Abs. 2 LNGG mit Ablauf des 30. Juni 2025 außer Kraft getreten; einzelne Regelungen gelten übergangsweise fort.LNG-TerminalEin LNG-Importterminal nimmt verflüssigtes Erdgas per Schiff an, speichert es zwischen und wandelt es durch Erwärmung wieder in Gas um. Anschließend wird das Gas aufbereitet beziehungsweise konditioniert und in das Gasnetz eingespeist. Es gibt schwimmende und landbasierte Ausführungen.Lambda-Wert (Wärmeleitfähigkeit)Der Lambda-Wert (λ) beschreibt die Wärmeleitfähigkeit eines Materials in Watt pro Meter und Kelvin. Je kleiner der Wert, desto geringer ist die Wärmeleitung. Welcher Bemessungswert für einen Nachweis anzusetzen ist, hängt vom Bauteil, dem Material und der jeweils geltenden Nachweisregel ab.
Erstgespräch