Energie-Glossar · L
LCOE (Levelized Cost of Energy)
LCOE (Levelized Cost of Energy) sind die über eine angenommene Lebensdauer berechneten durchschnittlichen Stromgestehungskosten einer Anlage. Sie setzen abgezinste Kosten zur abgezinsten Stromerzeugung ins Verhältnis. Die Kennzahl hilft beim Kostenvergleich, ersetzt aber keine Erlös- und Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Belegt durch:ise.fraunhofer.de 1
LCOE: Kosten pro erzeugter Energie
Die wichtigsten Informationen zu LCOE (Levelized Cost of Energy)
- Kosten und Strommengen werden über denselben Betrachtungszeitraum abgezinst.
- Investition, Betrieb, Brennstoff, Ertrag und Kalkulationszins prägen das Ergebnis.
- Studienwerte gelten für ihre Annahmen und ihr Bezugsjahr, nicht als verbindliche Angebotspreise.
- Erzeugungszeitpunkt, Marktwert, Eigenverbrauch und Systemkosten müssen zusätzlich bewertet werden.
Wie werden LCOE berechnet?
Die Kapitalwertmethode teilt die Summe der abgezinsten Investitions- und laufenden Kosten durch die abgezinsten erzeugten Energiemengen. Finanzierung beziehungsweise Kapitalkosten müssen methodisch konsistent im Kalkulationszins und den Zahlungsströmen erfasst werden; sie dürfen nicht doppelt angesetzt werden. Höhere Erträge senken bei sonst gleichen Annahmen die Kosten je Kilowattstunde.
Ein datiertes Beispiel liefert die Fraunhofer-ISE-Studie von Juli 2024: Für große PV-Freiflächenanlagen nennt sie je nach Standort und Annahmen 4,1 bis 6,9 ct/kWh. Das ist weder ein aktuelles Angebot noch der Haushaltsstrompreis. Für einen konkreten Standort sind tatsächliche Investitionskosten, Verluste, Alterung und Finanzierung einzusetzen.
Wie hilft die Kennzahl bei einer Investition?
Bei eigener PV-Erzeugung sollten die vermiedenen variablen Bezugskosten für zeitgleich selbst genutzten Strom und die Erlöse für Einspeisung getrennt ermittelt werden. Fixe Grundpreise werden durch Eigenverbrauch häufig nicht vermieden. Ein niedriger LCOE-Wert allein beweist daher keine Rentabilität.
Auch ein PPA-Preis lässt sich nicht allein aus den Erzeugungskosten beurteilen. Laufzeit, Lieferprofil, Mengenrisiken, Herkunftsnachweise und übernommene Ausgleichs- oder Vermarktungsleistungen können seinen Wert verändern. Für einen Angebotsvergleich müssen diese Leistungen vergleichbar sein.
Wo liegen die Grenzen?
LCOE unterscheiden nicht automatisch zwischen einer Kilowattstunde zur knappen Abendstunde und einer Kilowattstunde bei großem Solarangebot. Zwei Anlagen mit gleichen Gestehungskosten können deshalb verschiedene Erlöse erzielen. Netz-, Speicher- und Reservebedarf sind ebenfalls nur enthalten, soweit die gewählte Systemgrenze sie ausdrücklich umfasst.
Quellen & Verweise
- Fraunhofer ISE — Fraunhofer ISE: Stromgestehungskosten 2024. ise.fraunhofer.de · Abruf
Häufige Fragen zu LCOE (Levelized Cost of Energy)
Ist die Technologie mit dem niedrigsten LCOE immer wirtschaftlicher?
Nein. Erlöse, Eigenverbrauch, Erzeugungsprofil und zusätzliche Systemkosten können das Ergebnis verändern.
Sind Kapitalkosten enthalten?
Sie werden in einer konsistenten Berechnung insbesondere über den Kalkulationszins berücksichtigt. Bereits darin enthaltene Finanzierungskosten dürfen nicht nochmals pauschal addiert werden.
Reicht ein LCOE unter dem Netzstrompreis?
Nein. Nur tatsächlich vermiedene Bezugskosten zählen, und nicht jede erzeugte Kilowattstunde wird selbst verbraucht. Einspeiseerlöse, Zusatzkosten und zeitliche Zahlungsströme gehören in die Rechnung.
