Energie-Glossar · L

Lastprofil

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Ein Lastprofil beschreibt den zeitlichen Verlauf einer Leistungsaufnahme. Ein Standardlastprofil bildet diesen Verlauf statistisch für typische Kundengruppen ohne individuelle Zeitreihenmessung ab. Es wird in Kategorien wie H0 (Haushalt) oder G0 (Gewerbe allgemein) eingeteilt und ersetzt fehlende Messtechnik durch statistische Näherungswerte.

Belegt durch:bdew.de 1gesetze-im-internet.de 2

Standardprofil und individuelle Messung

SLP – Standardlastprofil

Gilt fürohne individuelle Zeitreihe
MessungEnergieablesung plus Modell
TypischHaushalte, kleine Gewerbe

Individuelle Zeitreihe

Gilt fürRLM oder Zählerstandsgang
Messungzeitaufgelöste Messwerte
TypischIndustrie, größere Betriebe
Standardlastprofile bilden statistische Verläufe ab. Zeitreihenmessung liefert individuelle Intervallwerte; sie ist auch bei kleinen iMSys-Kunden möglich.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Lastprofil

  • Standardlastprofile dienen der Bilanzierung von Abnahmestellen ohne individuelle Zeitreihenmessung
  • Wichtige Profile: H0 (Haushalt), G0 (Gewerbe), L0 (Landwirtschaft), dazu Profile für unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen
  • Gasprofile sind temperaturabhängig, weil der Verbrauch stark vom Heizbedarf abhängt
  • Abweichungen gleicht das Mehr-/Mindermengenverfahren zwischen Netzbetreiber und Lieferant aus
  • Smart-Meter-Rollout ersetzt Profile schrittweise durch echte Viertelstundenwerte

Welche Standardlastprofile gibt es?

Standardlastprofile bilden typische Kundengruppen ab: H0 steht für Haushalte, G0 für allgemeines Gewerbe, L0 für Landwirtschaft; daneben existieren weitere Profile, etwa für Gewerbe mit besonderen Betriebszeiten oder für unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen. Die frühere StromNZV ist seit Ende 2025 außer Kraft. Maßgeblich sind die geltenden Marktprozesse und Messvorgaben; § 55 MsbG sieht auch bei kleinen iMSys-Kunden Zeitreihenmessung vor. Der BDEW hat 2025 aktualisierte Standardprofile veröffentlicht; Netzbetreiber können geeignete eigene oder veröffentlichte Profile verwenden.

Bei Gas sind die Profile zusätzlich temperaturabhängig, weil der Verbrauch stark vom Heizbedarf abhängt: Das Profil rechnet die erwartete Tagestemperatur in einen erwarteten Tagesverbrauch um. Ein kalter Januartag erzeugt so ein völlig anderes Profil als ein milder Oktobertag – bei Strom sind die Unterschiede zwischen den Jahreszeiten deutlich geringer.

Wie funktioniert die Bilanzierung mit Standardlastprofilen?

Das Profil ersetzt die fehlende Messung: Energieversorger beschaffen Strom auf Basis der aggregierten Lastprofile ihrer SLP-Kundschaft – sie wissen zwar nicht, wann der einzelne Haushalt kocht, aber das statistische Mittel über tausende Kunden ist gut prognostizierbar. Für die Bilanzkreisabrechnung gilt der Profilverlauf als Verbrauch.

Die Differenz zwischen prognostiziertem Profil und tatsächlichem Jahresverbrauch wird über das Mehr-/Mindermengenverfahren zwischen Netzbetreiber und Lieferant ausgeglichen: Abweichende Mengen werden nach dem vorgesehenen Mehr-/Mindermengenverfahren finanziell zwischen Netzbetreiber und Lieferant abgerechnet. Das ist von kurzfristiger physischer Systemregelung zu unterscheiden. Für den Endkunden bleibt davon nur die normale Jahresabrechnung nach Zählerstand sichtbar.

Was ändert der Smart-Meter-Rollout am Profilsystem?

Standardlastprofile ermöglichen die Versorgung von Millionen kleiner Verbraucher ohne individuelle Zeitreihenmessung und sind ein Fundament des deutschen Bilanzierungssystems – aber ihre Bedeutung nimmt ab. Mit dem Smart-Meter-Rollout verschiebt sich das System schrittweise: Je mehr Zählpunkte echte Viertelstundenwerte liefern, desto genauer werden Bilanzierung und Abrechnung.

Das hat praktische Folgen: Erst mit echten Messwerten lassen sich dynamische Tarife anbieten, die den Verbrauch zeitintervallscharf mit Börsenpreisen bepreisen. Wer heute über ein intelligentes Messsystem verfügt, kann sein tatsächliches Verbrauchsverhalten vermarkten lassen, statt über ein statistisches Durchschnittsprofil abgerechnet zu werden – ein Vorteil vor allem für Kunden, die Verbrauch gezielt in günstige Stunden verschieben können.

Quellen & Verweise

  1. BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft — Standardlastprofile Strom – Grundlagen & Anwendung. bdew.de · Abruf
  2. Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz — § 55 MsbG. gesetze-im-internet.de · Abruf

Häufige Fragen zu Lastprofil

Welches Lastprofil habe ich?

Das legt der Netzbetreiber anhand Ihrer Kundengruppe fest – Haushalte erhalten in der Regel H0, allgemeines Gewerbe G0. Das zugeordnete Profil steht meist auf der Netznutzungsabrechnung oder ist beim Netzbetreiber zu erfragen.

Kann ich vom Standardlastprofil zur echten Messung wechseln?

Ja – mit dem Einbau eines intelligenten Messsystems liefern auch kleinere Abnahmestellen Viertelstundenwerte. Das ist Voraussetzung für dynamische Tarife und lohnt sich vor allem, wenn Sie Verbrauch flexibel verschieben können, etwa mit Wärmepumpe oder E-Auto.

Was passiert, wenn mein Verbrauch stark vom Profil abweicht?

Bei üblichen SLP-Tarifen zählt die abgerechnete Energiemenge, nicht Ihr individueller Tagesverlauf. Fehlen belastbare Messwerte, können unter den gesetzlichen Voraussetzungen Ersatzwerte oder Schätzungen relevant werden. Die Abweichung zwischen Profil und Realität wird im Hintergrund über das Mehr-/Mindermengenverfahren zwischen Netzbetreiber und Lieferant ausgeglichen.

Warum sind Gaslastprofile temperaturabhängig?

Weil der Gasverbrauch überwiegend vom Heizen bestimmt wird: Sinkt die Außentemperatur, steigt der Verbrauch fast aller Kunden gleichzeitig. Die Profile rechnen deshalb die prognostizierte Tagestemperatur in den erwarteten Verbrauch um.

Verwandte Begriffe

Weitere Begriffe mit L

L-GasL-Gas (Low-calorific gas) ist Erdgas mit niedrigerem Energiegehalt je vergleichbarem Normvolumen und meist höherem Stickstoffanteil als H-Gas. Hauptquelle waren die niederländischen Groningen-Felder, deren Förderung im Oktober 2023 gestoppt und im April 2024 endgültig eingestellt wurde.LCOE (Levelized Cost of Energy)LCOE (Levelized Cost of Energy) sind die über eine angenommene Lebensdauer berechneten durchschnittlichen Stromgestehungskosten einer Anlage. Sie setzen abgezinste Kosten zur abgezinsten Stromerzeugung ins Verhältnis. Die Kennzahl hilft beim Kostenvergleich, ersetzt aber keine Erlös- und Wirtschaftlichkeitsrechnung.LNGLNG (Liquefied Natural Gas) ist Erdgas, das durch Abkühlung auf etwa −162 °C verflüssigt und dabei auf rund 1/600 seines Volumens verdichtet wird. LNG ermöglicht den Transport per Schiff in Regionen ohne Pipelineanschluss und dient der Diversifizierung der Gasversorgung.LNG-Beschleunigungsgesetz (LNGG)Das LNG-Beschleunigungsgesetz (LNGG) vom Mai 2022 verkürzte Genehmigungs- und Vergabeverfahren für den Bau von Flüssigerdgas-Terminals und deren Anbindungsleitungen in Deutschland, um nach dem Wegfall russischer Pipeline-Lieferungen schnell Importkapazitäten aufzubauen. Es war als befristetes Kriseninstrument angelegt: Die zentralen Beschleunigungsvorschriften sind nach § 14 Abs. 2 LNGG mit Ablauf des 30. Juni 2025 außer Kraft getreten; einzelne Regelungen gelten übergangsweise fort.LNG-TerminalEin LNG-Importterminal nimmt verflüssigtes Erdgas per Schiff an, speichert es zwischen und wandelt es durch Erwärmung wieder in Gas um. Anschließend wird das Gas aufbereitet beziehungsweise konditioniert und in das Gasnetz eingespeist. Es gibt schwimmende und landbasierte Ausführungen.Lambda-Wert (Wärmeleitfähigkeit)Der Lambda-Wert (λ) beschreibt die Wärmeleitfähigkeit eines Materials in Watt pro Meter und Kelvin. Je kleiner der Wert, desto geringer ist die Wärmeleitung. Welcher Bemessungswert für einen Nachweis anzusetzen ist, hängt vom Bauteil, dem Material und der jeweils geltenden Nachweisregel ab.
Erstgespräch