Energie-Glossar · L
Lastprofil
Ein Lastprofil beschreibt den zeitlichen Verlauf einer Leistungsaufnahme. Ein Standardlastprofil bildet diesen Verlauf statistisch für typische Kundengruppen ohne individuelle Zeitreihenmessung ab. Es wird in Kategorien wie H0 (Haushalt) oder G0 (Gewerbe allgemein) eingeteilt und ersetzt fehlende Messtechnik durch statistische Näherungswerte.
Belegt durch:bdew.de 1gesetze-im-internet.de 2
Standardprofil und individuelle Messung
SLP – Standardlastprofil
Individuelle Zeitreihe
Die wichtigsten Informationen zu Lastprofil
- Standardlastprofile dienen der Bilanzierung von Abnahmestellen ohne individuelle Zeitreihenmessung
- Wichtige Profile: H0 (Haushalt), G0 (Gewerbe), L0 (Landwirtschaft), dazu Profile für unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen
- Gasprofile sind temperaturabhängig, weil der Verbrauch stark vom Heizbedarf abhängt
- Abweichungen gleicht das Mehr-/Mindermengenverfahren zwischen Netzbetreiber und Lieferant aus
- Smart-Meter-Rollout ersetzt Profile schrittweise durch echte Viertelstundenwerte
Welche Standardlastprofile gibt es?
Standardlastprofile bilden typische Kundengruppen ab: H0 steht für Haushalte, G0 für allgemeines Gewerbe, L0 für Landwirtschaft; daneben existieren weitere Profile, etwa für Gewerbe mit besonderen Betriebszeiten oder für unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen. Die frühere StromNZV ist seit Ende 2025 außer Kraft. Maßgeblich sind die geltenden Marktprozesse und Messvorgaben; § 55 MsbG sieht auch bei kleinen iMSys-Kunden Zeitreihenmessung vor. Der BDEW hat 2025 aktualisierte Standardprofile veröffentlicht; Netzbetreiber können geeignete eigene oder veröffentlichte Profile verwenden.
Bei Gas sind die Profile zusätzlich temperaturabhängig, weil der Verbrauch stark vom Heizbedarf abhängt: Das Profil rechnet die erwartete Tagestemperatur in einen erwarteten Tagesverbrauch um. Ein kalter Januartag erzeugt so ein völlig anderes Profil als ein milder Oktobertag – bei Strom sind die Unterschiede zwischen den Jahreszeiten deutlich geringer.
Wie funktioniert die Bilanzierung mit Standardlastprofilen?
Das Profil ersetzt die fehlende Messung: Energieversorger beschaffen Strom auf Basis der aggregierten Lastprofile ihrer SLP-Kundschaft – sie wissen zwar nicht, wann der einzelne Haushalt kocht, aber das statistische Mittel über tausende Kunden ist gut prognostizierbar. Für die Bilanzkreisabrechnung gilt der Profilverlauf als Verbrauch.
Die Differenz zwischen prognostiziertem Profil und tatsächlichem Jahresverbrauch wird über das Mehr-/Mindermengenverfahren zwischen Netzbetreiber und Lieferant ausgeglichen: Abweichende Mengen werden nach dem vorgesehenen Mehr-/Mindermengenverfahren finanziell zwischen Netzbetreiber und Lieferant abgerechnet. Das ist von kurzfristiger physischer Systemregelung zu unterscheiden. Für den Endkunden bleibt davon nur die normale Jahresabrechnung nach Zählerstand sichtbar.
Was ändert der Smart-Meter-Rollout am Profilsystem?
Standardlastprofile ermöglichen die Versorgung von Millionen kleiner Verbraucher ohne individuelle Zeitreihenmessung und sind ein Fundament des deutschen Bilanzierungssystems – aber ihre Bedeutung nimmt ab. Mit dem Smart-Meter-Rollout verschiebt sich das System schrittweise: Je mehr Zählpunkte echte Viertelstundenwerte liefern, desto genauer werden Bilanzierung und Abrechnung.
Das hat praktische Folgen: Erst mit echten Messwerten lassen sich dynamische Tarife anbieten, die den Verbrauch zeitintervallscharf mit Börsenpreisen bepreisen. Wer heute über ein intelligentes Messsystem verfügt, kann sein tatsächliches Verbrauchsverhalten vermarkten lassen, statt über ein statistisches Durchschnittsprofil abgerechnet zu werden – ein Vorteil vor allem für Kunden, die Verbrauch gezielt in günstige Stunden verschieben können.
Quellen & Verweise
- BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft — Standardlastprofile Strom – Grundlagen & Anwendung. bdew.de · Abruf
- Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz — § 55 MsbG. gesetze-im-internet.de · Abruf
Häufige Fragen zu Lastprofil
Welches Lastprofil habe ich?
Das legt der Netzbetreiber anhand Ihrer Kundengruppe fest – Haushalte erhalten in der Regel H0, allgemeines Gewerbe G0. Das zugeordnete Profil steht meist auf der Netznutzungsabrechnung oder ist beim Netzbetreiber zu erfragen.
Kann ich vom Standardlastprofil zur echten Messung wechseln?
Ja – mit dem Einbau eines intelligenten Messsystems liefern auch kleinere Abnahmestellen Viertelstundenwerte. Das ist Voraussetzung für dynamische Tarife und lohnt sich vor allem, wenn Sie Verbrauch flexibel verschieben können, etwa mit Wärmepumpe oder E-Auto.
Was passiert, wenn mein Verbrauch stark vom Profil abweicht?
Bei üblichen SLP-Tarifen zählt die abgerechnete Energiemenge, nicht Ihr individueller Tagesverlauf. Fehlen belastbare Messwerte, können unter den gesetzlichen Voraussetzungen Ersatzwerte oder Schätzungen relevant werden. Die Abweichung zwischen Profil und Realität wird im Hintergrund über das Mehr-/Mindermengenverfahren zwischen Netzbetreiber und Lieferant ausgeglichen.
Warum sind Gaslastprofile temperaturabhängig?
Weil der Gasverbrauch überwiegend vom Heizen bestimmt wird: Sinkt die Außentemperatur, steigt der Verbrauch fast aller Kunden gleichzeitig. Die Profile rechnen deshalb die prognostizierte Tagestemperatur in den erwarteten Verbrauch um.
