Energie-Glossar · S

Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Das GHG Protocol ordnet Treibhausgasemissionen einer Unternehmensbilanz drei Scopes zu: Scope 1 umfasst direkte Emissionen innerhalb der Bilanzgrenze, Scope 2 Emissionen aus eingekaufter Energie und Scope 3 weitere indirekte Emissionen der Wertschöpfungskette.

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Drei Scopes, eine Bilanzgrenze

Direkte QuellenScope 1
Eingekaufte EnergieScope 2
Weitere WertschöpfungsketteScope 3
Die Zuordnung folgt der Emissionsquelle und der festgelegten Unternehmensgrenze, nicht allein dem Rechnungsempfänger.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen

  • Zuerst werden organisatorische Bilanzgrenzen und der Konsolidierungsansatz festgelegt.
  • Scope 1 umfasst beispielsweise Brennstoffverbrennung und Kältemittelverluste eigener oder kontrollierter Quellen.
  • Scope 2 erfasst eingekauften Strom, Dampf, Wärme und Kälte.
  • Scope 3 gliedert die weitere Wertschöpfungskette in 15 Kategorien.
  • Bilanzierungsstandard, gesetzliche Berichtspflicht und Klimazielvalidierung sind getrennte Fragen.

Warum ist die Bilanzgrenze entscheidend?

Bevor Verbrauchsdaten einem Scope zugeordnet werden, legt das Unternehmen fest, welche Betriebe und Anlagen in seiner Bilanz enthalten sind. Das GHG Protocol erlaubt unterschiedliche Konsolidierungsansätze, etwa operative Kontrolle, finanzielle Kontrolle oder Kapitalanteil. Der Ansatz muss konsistent angewendet werden. Bei Mietobjekten und Leasingfahrzeugen entscheidet deshalb nicht allein, wer die Rechnung bezahlt.

Wie wird Energie eingeordnet?

Wird Erdgas innerhalb der Bilanzgrenze selbst verbrannt, entstehen direkte Scope-1-Emissionen. Wird Wärme von außen eingekauft, fallen die Erzeugungsemissionen grundsätzlich unter Scope 2. Vorketten von Brennstoffen und Energie können zusätzlich Scope 3 betreffen, ohne dieselbe Emission innerhalb der Unternehmensbilanz doppelt zu zählen. Bei Gebäuden sind Zähler, Flächen, Verträge und Bilanzgrenzen nachvollziehbar zuzuordnen.

Was umfasst Scope 3?

Die 15 Kategorien reichen von eingekauften Waren und Transporten über Geschäftsreisen und Pendeln bis zur Nutzung und Entsorgung verkaufter Produkte. Der Corporate Standard und der weiterführende Scope 3 Standard stellen unterschiedliche Anforderungen. Wer eine Bilanz nach dem Scope 3 Standard ausweist, muss dessen Grenzen und Offenlegungspflichten beachten; Auslassungen sind zu begründen. Schätzungen können erforderlich sein, müssen aber Methode und Datenqualität erkennen lassen.

Was bedeuten standort- und marktbasierte Scope-2-Werte?

Die standortbasierte Methode verwendet durchschnittliche Emissionsfaktoren der örtlichen Energieversorgung. Die marktbasierte Methode berücksichtigt geeignete vertragliche Instrumente und die dazugehörigen Qualitätskriterien. Unternehmen mit Tätigkeiten in Märkten, in denen entsprechende Instrumente oder Lieferantendaten verfügbar sind, berichten nach der Guidance beide Ergebnisse. Ein Stromlabel oder beliebiger Herkunftsnachweis rechtfertigt nicht automatisch einen beliebigen Faktor. Eine niedrigere marktbasierte Bilanz ist außerdem von einer nachgewiesenen zusätzlichen Wirkung auf das Energiesystem zu unterscheiden.

Welche Pflichten folgen daraus?

Das GHG Protocol ist ein Bilanzierungsrahmen. Ob und ab wann eine gesetzliche Nachhaltigkeitsberichterstattung vorgeschrieben ist, muss anhand des geltenden Rechts und der Unternehmenssituation gesondert geprüft werden. Auch Anforderungen von Kunden oder freiwilligen Klimazielprogrammen sind getrennt zu betrachten. Für die Praxis lohnt sich eine dokumentierte Datenbasis mit Mengen, Faktoren, Bilanzgrenzen, Quellen und Datenlücken.

Quellen & Verweise

  1. WRI / WBCSD – GHG Protocol — GHG Protocol: Corporate Standard. ghgprotocol.org · Abruf
  2. WRI / WBCSD – GHG Protocol — GHG Protocol: Scope 2 Guidance. ghgprotocol.org · Abruf
  3. WRI / WBCSD – GHG Protocol — GHG Protocol: Scope 3 Standard. ghgprotocol.org · Abruf
  4. WRI / WBCSD – GHG Protocol — GHG Protocol: Calculation Tools FAQ. ghgprotocol.org · Abruf

Häufige Fragen zu Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen

Zählt jeder Firmenwagen zu Scope 1?

Nein. Bei einbezogenen Verbrennern ist der Kraftstoffbetrieb typischerweise Scope 1, bei Elektrofahrzeugen eingekaufter Ladestrom Scope 2. Leasing und Bilanzgrenzen können die Zuordnung verändern.

Sind Pendelfahrten Scope 3?

Der Arbeitsweg der Beschäftigten wird grundsätzlich der entsprechenden Scope-3-Kategorie zugeordnet. Geschäftsreisen und betriebliche Fahrzeuge sind getrennt zu betrachten.

Macht Ökostrom meine gesamte Bilanz emissionsfrei?

Nein. Geeignete Instrumente können den marktbasierten Scope-2-Wert verändern. Andere Scopes und die standortbasierte Betrachtung bleiben zu berücksichtigen.

Sind alle Unternehmen zur Scope-3-Berichterstattung verpflichtet?

Eine allgemeine Pflicht für jedes Unternehmen folgt aus der Scope-Einteilung nicht. Maßgeblich sind das anwendbare Recht und der beanspruchte Berichtsstandard.

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