Energie-Glossar · E
Emissionsfaktor
Ein Emissionsfaktor ordnet einer Aktivitätsmenge eine Emissionsmenge zu, beispielsweise Gramm CO₂-Äquivalent je Kilowattstunde Energie. Aussagekräftig ist er nur zusammen mit Bezugsjahr, Einheit, erfassten Treibhausgasen und Systemgrenze.
Belegt durch:umweltbundesamt.de 1ghgprotocol.org 2
Von Verbrauch zu Emissionen
Die wichtigsten Informationen zu Emissionsfaktor
- Emissionen = Aktivitätsmenge × passender Emissionsfaktor.
- CO₂ und CO₂-Äquivalente sind nicht dasselbe.
- Direkte Verbrennung und Vorketten getrennt behandeln.
- Strom kann standort- und marktbasiert bilanziert werden.
- Quelle, Jahr und Methodenstand dokumentieren.
Warum unterscheiden sich veröffentlichte Werte?
Ein Faktor kann nur direkte CO₂-Emissionen enthalten oder zusätzlich Methan, Lachgas und vorgelagerte Prozesse. Beim Strom kommen unterschiedliche Bezüge auf Erzeugung, Verbrauch und Stromhandel hinzu. Das UBA veröffentlicht dafür verschiedene Indikatoren. Ein Zahlenwert ohne diese Abgrenzung ist deshalb keine verlässliche Rechengrundlage.
Wie wird korrekt gerechnet?
Verbrauchsmenge und Faktor müssen dieselbe Einheit und Basis verwenden. Bei Brennstoffen ist insbesondere der Heizwert- oder Brennwertbezug zu prüfen. Ein Rechenbeispiel mit frei gewählten Zahlen: 10.000 kWh mal 0,2 kg je kWh ergeben 2.000 kg. Das Beispiel zeigt nur die Rechnung und ist kein freigegebener Faktor für einen konkreten Energieträger.
Was bedeutet Grünstrom für Scope 2?
Die standortbasierte Methode verwendet einen Netzfaktor; die marktbasierte Methode berücksichtigt geeignete vertragliche Instrumente und deren Emissionsattribute. Dafür gelten Qualitätsanforderungen, unter anderem eindeutige Zuordnung und passende zeitliche und räumliche Abgrenzung. Ein Tarifname oder der bloße Besitz beliebiger Herkunftsnachweise rechtfertigt nicht automatisch einen Nullfaktor. Zudem bleiben Lebenszyklus- und Vorkettenemissionen gesondert zu betrachten.
Wie bleiben Jahresvergleiche belastbar?
Pflegen Sie Faktoren mit Quelle, Veröffentlichungsdatum, Bezugsjahr und Bilanzgrenze. Der jeweils passende Datenstand ist wichtiger als das jüngste Datum irgendeiner Datenbank. Änderungen des Strommixes können den Faktor senken oder erhöhen; ein kontinuierlicher jährlicher Rückgang ist nicht garantiert. Investitionsvergleiche sollten deshalb Verbrauch, Wirkungsgrad und mehrere plausible Entwicklungspfade getrennt ausweisen.
Quellen & Verweise
- Umweltbundesamt — Strommix-Emissionen 1990–2025. umweltbundesamt.de · Abruf
- GHG Protocol / WRI / WBCSD — GHG Protocol Scope 2 Guidance. ghgprotocol.org · Abruf
Häufige Fragen zu Emissionsfaktor
Ist ein Nullfaktor der Beweis vollständiger Klimaneutralität?
Nein. Eine Zuordnung innerhalb einer Bilanzmethode sagt nicht aus, dass Herstellung, Netze und sämtliche Vorketten emissionsfrei sind.
Darf ich Faktoren beliebiger Quellen mischen?
Nur wenn Einheiten, Bilanzgrenzen und Methode zusammenpassen. Unterschiedliche Quellen sind nicht grundsätzlich unzulässig, müssen aber konsistent verwendet werden.
Ist der Emissionsfaktor immer in g/kWh angegeben?
Nein. Er kann beispielsweise auch je Liter Brennstoff, gefahrenem Kilometer oder produzierter Tonne angegeben werden.
