Energie-Glossar · N

Netzregelverbund

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Der Netzregelverbund ist die Kooperation der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber, zur Vermeidung gegenläufiger Abrufe sowie zur gemeinsamen Dimensionierung, Beschaffung und kostenoptimalen Aktivierung von Regelreserve. Er verhindert, dass in einer Regelzone Energie zur Frequenzstabilisierung aktiviert wird, während in einer Nachbarzone gleichzeitig gegenläufig geregelt wird.

Belegt durch:regelleistung.net 1bundesnetzagentur.de 2transnetbw.de 3

Regelzonen gemeinsam ausgleichen

  1. Ungleichgewichte der Regelzonen
  2. Gegenläufigen Bedarf verrechnen
  3. Verbleibende Regelreserve koordinieren
  4. Systembilanz stabilisieren
Schematische Einordnung; die im Text erläuterten Bedingungen und Abgrenzungen bleiben maßgeblich.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Netzregelverbund

  • Kooperation der vier Übertragungsnetzbetreiber TenneT, 50Hertz, Amprion und TransnetBW
  • Erstes Modul seit Dezember 2008 in Betrieb, bundesweit seit 1. Mai 2010 vollständig realisiert
  • Verhindert gegenläufige Regelenergieabrufe zwischen benachbarten Regelzonen
  • Kann vorzuhaltende Leistung und gegenläufig aktivierte Regelarbeit reduzieren
  • Wurde später auf internationale Kooperationen mit Nachbarländern erweitert

Wie funktioniert der Netzregelverbund?

Der Netzregelverbund gleicht die Regelenergieabrufe der vier deutschen Regelzonen untereinander ab, bevor die einzelnen Übertragungsnetzbetreiber tatsächlich Regelenergie am Markt aktivieren. Ohne diese Abstimmung kann es vorkommen, dass ein Übertragungsnetzbetreiber positive Regelenergie abruft, um einen Erzeugungsausfall auszugleichen, während ein anderer zeitgleich negative Regelenergie benötigt, weil in seiner Regelzone gerade ein Überschuss besteht. Beide Abrufe verursachen Kosten, obwohl sich die Effekte auf Systemebene gegenseitig aufheben würden.

Der Netzregelverbund erkennt solche gegenläufigen Bedarfe automatisiert und saldiert sie, bevor die verbleibende Regelarbeit aktiviert wird. Die Vorhaltung von Regelleistung wird gesondert beschafft. Das erste Modul ging im Dezember 2008 in Betrieb, seit dem 1. Mai 2010 ist der Verbund bundesweit vollständig realisiert. In der Praxis führt dies zu einer spürbaren Reduktion der insgesamt benötigten und tatsächlich aktivierten Regelenergiemenge und damit zu geringeren Kosten für das Gesamtsystem.

Wie unterscheidet sich der Netzregelverbund von der eigentlichen Regelenergie?

Regelenergie – unterteilt in FCR, aFRR und mFRR – ist das eigentliche Instrument, mit dem Übertragungsnetzbetreiber kurzfristige Ungleichgewichte zwischen Stromerzeugung und -verbrauch ausgleichen. Der Netzregelverbund ist dem vorgelagert: Er optimiert die Koordination zwischen den vier deutschen Regelzonen, bevor am Markt beschafftes Regelarbeitsvolumen tatsächlich abgerufen wird. Die Grundidee wurde später auch auf die internationale Ebene übertragen, etwa im Rahmen von Kooperationen mit Übertragungsnetzbetreibern in Nachbarländern, um grenzüberschreitende Gegenregelung zu vermeiden.

Wer profitiert indirekt vom Netzregelverbund?

Die Kosten für Regelenergie werden über Bilanzkreisabrechnung und Netzentgelte letztlich auf alle Stromverbraucher umgelegt. Da der Netzregelverbund unnötige, gegenläufige Regelenergieabrufe reduziert, sinkt die insgesamt benötigte Regelenergiemenge – ein Effekt, der sich langfristig dämpfend auf diesen Kostenbestandteil auswirkt, auch wenn er auf der Endkundenrechnung nicht separat ausgewiesen wird.

  • Geringere Gesamtkosten für Regelenergie wirken sich mittelbar auf Netzentgelte und Bilanzkreiskosten aus
  • Unternehmen mit eigenem Bilanzkreis profitieren von einem insgesamt stabileren und kosteneffizienteren Regelenergiemarkt
  • Betreiber von Flexibilitäten wie Batteriespeichern operieren in einem durch den Verbund optimierten, aber weiterhin wettbewerblichen Marktumfeld

Für Unternehmen, die eigene Erzeugungs- oder Speicheranlagen am Regelenergiemarkt vermarkten möchten, ist relevant, dass der Netzregelverbund die Nachfrage nach Regelenergie insgesamt dämpft – technische Präqualifikation, gemeinsame Beschaffung und europäische Aktivierungsplattformen bleiben jedoch gesonderte Bestandteile der Marktteilnahme.

Wie hat sich der Netzregelverbund seit seiner Einführung weiterentwickelt?

Nach der vollständigen bundesweiten Umsetzung im Mai 2010 wurde das Grundprinzip des Netzregelverbunds sukzessive erweitert. Zunächst wurden weitere Ausgleichsmechanismen zwischen den vier deutschen Regelzonen integriert, später folgten Kooperationen mit Übertragungsnetzbetreibern in benachbarten europäischen Ländern, um auch grenzüberschreitende Gegenregelung zu identifizieren und zu vermeiden. Diese Entwicklung spiegelt den generellen Trend zu einer stärkeren europäischen Vernetzung der Regelenergiemärkte wider, wie er auch bei der Kopplung der Day-Ahead- und Intraday-Strommärkte zu beobachten ist.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bleibt der Netzregelverbund für die beteiligten Übertragungsnetzbetreiber ein wichtiges Instrument zur Kostensenkung, dessen Effekte in regelmäßigen Berichten der Bundesnetzagentur zur Entwicklung der Regelenergiekosten einfließen. Für Marktteilnehmer wie Bilanzkreisverantwortliche oder Anbieter von Regelreserve bleibt der Verbund weitgehend im Hintergrund wirksam, ohne dass sich daraus unmittelbare vertragliche Pflichten für einzelne Unternehmen ergeben.

Quellen & Verweise

  1. regelleistung.net (Gemeinschaftsplattform der deutschen Übertragungsnetzbetreiber) — Deutscher Netzregelverbund. regelleistung.net · Abruf
  2. Bundesnetzagentur — Monitoringbericht2010. bundesnetzagentur.de · Abruf
  3. TransnetBW — Regelzonenübergreifender Bilanzausgleichsenergiepreis. transnetbw.de · Abruf

Häufige Fragen zu Netzregelverbund

Ist der Netzregelverbund dasselbe wie eine Regelzone?

Nein. Eine Regelzone ist der geografische Zuständigkeitsbereich eines einzelnen Übertragungsnetzbetreibers. Der Netzregelverbund ist die Kooperation zwischen den vier deutschen Regelzonen, mit der Regelenergieabrufe zonenübergreifend abgestimmt werden.

Seit wann gibt es den Netzregelverbund?

Das erste Modul wurde im Dezember 2008 eingeführt, die vollständige, bundesweite Umsetzung erfolgte zum 1. Mai 2010.

Reduziert der Netzregelverbund auch die Kosten für einzelne Bilanzkreisverantwortliche?

Direkt betrifft der Verbund die Koordination zwischen den Übertragungsnetzbetreibern. Indirekt kann eine insgesamt geringere Regelenergienachfrage aber die Gesamtkosten beeinflussen; ein bestimmter Preisvorteil für einen einzelnen Bilanzkreis ist nicht garantiert.

Gibt es vergleichbare Kooperationen auch international?

Ja, das Grundprinzip des Netzregelverbunds wurde später auf Kooperationen mit Übertragungsnetzbetreibern in weiteren europäischen Ländern übertragen, um auch grenzüberschreitende Gegenregelung zu vermeiden.

Verwandte Begriffe

Weitere Begriffe mit N

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