Energie-Glossar · F

Futures und Forwards

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Futures und Forwards sind Terminkontrakte, zur Preisabsicherung künftiger Energiepositionen; die Erfüllung kann physisch oder finanziell erfolgen. Futures werden standardisiert an der Börse EEX gehandelt und über eine Clearingstelle abgewickelt, Forwards dagegen individuell und außerbörslich (OTC) zwischen zwei Vertragspartnern vereinbart.

Belegt durch:eex.com 1eex.com 2

Futures vs. Forwards

Future

HandelBörse EEX, standardisiert
Abwicklungüber Clearingstelle

Forward

Handelaußerbörslich (OTC)
Abwicklungindividuell, bilateral
Futures vs. Forwards: Future: Handel Börse EEX, standardisiert, Abwicklung über Clearingstelle; Forward: Handel außerbörslich (OTC), Abwicklung individuell…[1]

Die wichtigsten Informationen zu Futures und Forwards

  • Future: börslich, standardisiert, Handel an der EEX, Clearing über eine zentrale Gegenpartei
  • Forward: außerbörslich (OTC), individuell zugeschnitten, bilaterales Kontrahentenrisiko
  • Produktarten: Base- und Peak-Lieferungen als Week-, Month-, Quarter- und Year-Futures (Frontjahr)
  • Hauptzweck: Hedging – Preisabsicherung im Rahmen der strukturierten Beschaffung und des Tranchenmodells
  • Absicherung schafft Planungssicherheit, garantiert aber nicht automatisch den niedrigsten Preis

Was unterscheidet einen Future von einem Forward?

Der wichtigste Unterschied liegt im Handelsweg: Futures sind standardisierte Terminkontrakte, die börslich an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig gehandelt und über eine Clearingstelle abgewickelt werden. Forwards dagegen sind individuell ausgehandelte Terminkontrakte, die außerbörslich – „Over the Counter“ (OTC) – direkt zwischen zwei Vertragspartnern geschlossen werden, meist auf Basis der Rahmenverträge des europäischen Energiehändlerverbands EFET.

Beide Instrumente verfolgen dasselbe Ziel: den Preis für eine Strom- oder Gaslieferung zu einem festgelegten künftigen Zeitpunkt bereits heute zu fixieren. Der Unterschied liegt im Risiko: Bei einem Future übernimmt die Clearingstelle als zentraler Kontrahent das Ausfallrisiko und verlangt dafür Sicherheiten (Margins). Bei einem Forward tragen die Parteien grundsätzlich bilaterales Gegenparteirisiko, das vertraglich durch Sicherheiten begrenzt werden kann, haben dafür aber mehr Freiheit bei Menge, Laufzeit und Lieferort.

  • Future: börslich, standardisiert, Clearing über eine zentrale Gegenpartei, laufende Sicherheitsleistungen
  • Forward: außerbörslich (OTC), individuell zugeschnitten, bilaterales Kontrahentenrisiko
  • Beide: Preisfixierung für eine künftige Lieferperiode als Grundlage für Hedging

Welche Produktarten werden am Terminmarkt gehandelt?

An der EEX werden Strom- und Gas-Futures für unterschiedliche Lieferperioden angeboten – von Week- und Weekend-Futures über Month- und Quarter-Futures bis zu Year-Futures, die eine Lieferung über ein komplettes Kalenderjahr abbilden. Zusätzlich wird zwischen Base-Produkten (durchgehende Bandlieferung rund um die Uhr) und Peak-Produkten (für Strom typischerweise Montag bis Freitag, 8 bis 20 Uhr, nach jeweiliger Produktspezifikation) unterschieden.

Für die Beschaffungsstrategie ist relevant, dass sich aus mehreren Produkten unterschiedlicher Laufzeit ein Gesamtpreis für einen künftigen Lieferzeitraum zusammensetzen lässt – etwa ein Jahresprodukt kombiniert mit kürzeren Quartals- oder Monatsprodukten zur Feinsteuerung nahe am Liefertermin.

Warum sind Futures und Forwards für die Beschaffungsstrategie von Unternehmen und Hausverwaltungen relevant?

Für mittelständische Unternehmen und Hausverwaltungen mit größerem Energiebedarf sind Futures und Forwards das zentrale Werkzeug der strukturierten Beschaffung: Statt den gesamten Lieferpreis an einem einzigen Beschaffungszeitpunkt festzulegen, wird die benötigte Menge in mehreren Tranchen zu unterschiedlichen Zeitpunkten am Terminmarkt beschafft (Tranchenmodell). Das glättet Preisspitzen und reduziert das Risiko, den kompletten Jahresbedarf zu einem einzigen, ungünstigen Zeitpunkt einzukaufen.

In der Praxis schließen die meisten Endkunden keine eigenen EEX-Futures ab, sondern beauftragen ihren Energielieferanten oder einen Beschaffungsdienstleister, der je nach Vertragsmodell eigene Absicherungsgeschäfte tätigt und deren Preiswirkung nach der vereinbarten Formel an den Kunden weitergibt.

Wie hängen Futures und Forwards mit dem Clearing zusammen?

Für geeignete außerbörslich vereinbarte Geschäfte bietet EEX die Trade Registration mit anschließendem ECC-Clearing an. Das Geschäft muss die zugelassenen Produktspezifikationen und Clearingbedingungen erfüllen; ein beliebig individuell gestalteter Forward lässt sich nicht unverändert zum Clearing geben. Die zentrale Gegenpartei ersetzt bilaterales Risiko durch ein besichertes Clearingmodell mit eigenen Margin- und Liquiditätsanforderungen.

Im internen Risikomanagement setzen Unternehmen und Energieversorger zudem Kennzahlen wie den Value-at-Risk ein, um das verbleibende Preisrisiko einer offenen Position – also einer noch nicht durch Futures oder Forwards abgesicherten Menge – zu quantifizieren. Solche Kennzahlen helfen dabei, Beschaffungsentscheidungen nachvollziehbar zu dokumentieren und Absicherungsgrade festzulegen, statt Tranchen nach Bauchgefühl zu fixieren.

Welche Risiken bleiben trotz Hedging bestehen?

Auch mit Futures und Forwards lässt sich nicht jedes Risiko ausschließen: Wer zu einem ungünstigen Zeitpunkt eine Tranche fixiert, verpasst mögliche spätere Preisrückgänge – Absicherung bedeutet Planungssicherheit, nicht automatisch den niedrigsten Preis. Bei OTC-Forwards ohne Clearing bleibt zudem das Bonitätsrisiko des Vertragspartners bestehen: Fällt eine Gegenpartei aus, muss die offene Lieferverpflichtung zu den dann aktuellen, möglicherweise deutlich ungünstigeren Marktpreisen anderweitig gedeckt werden.

Quellen & Verweise

  1. European Energy Exchange — Power Futures. eex.com · Abruf
  2. European Energy Exchange — EEX Rules and Regulations. eex.com · Abruf

Häufige Fragen zu Futures und Forwards

Kann ein Unternehmen direkt an der EEX handeln?

Grundsätzlich ja, dafür sind aber eine Handelszulassung und ein Clearing-Zugang nötig. Die meisten Unternehmen lassen die Terminmarktbeschaffung stattdessen über ihren Energielieferanten oder einen spezialisierten Beschaffungsdienstleister abwickeln.

Ist ein Forward riskanter als ein Future?

Ein ungeclearter Forward hat bilaterales Ausfallrisiko, das etwa durch Sicherheiten begrenzt werden kann. Futures über eine zentrale Gegenpartei haben dagegen Margin- und Liquiditätsanforderungen; auch Clearing beseitigt nicht jedes Risiko. Entscheidend ist das gesamte Vertrags- und Sicherheitenkonzept.

Was bedeutet Hedging in diesem Zusammenhang?

Hedging bezeichnet die Absicherung eines künftigen Preises gegen Schwankungen, indem bereits heute ein Terminkontrakt für die spätere Lieferung abgeschlossen wird – unabhängig davon, ob der Preis anschließend steigt oder fällt.

Warum kaufen Unternehmen nicht einfach zum aktuellen Spotpreis?

Spotbeschaffung setzt die jeweiligen Liefermengen den Preisen der kurzfristigen Lieferintervalle aus. Ein ganzes Lieferjahr wird nicht zu einem einzigen heutigen Spotpreis gekauft. Terminabsicherung kann die Preisunsicherheit reduzieren; Mengen-, Profil- und Basisrisiken bleiben zu beachten.

Spielt der Terminmarkt auch bei Gas eine Rolle?

Ja, analog zum Strommarkt gibt es an der EEX auch Gas-Futures, die sich auf den Referenzpreis von Handelspunkten wie dem deutschen Marktgebiet Trading Hub Europe beziehen.

Verwandte Begriffe

Weitere Begriffe mit F

FSRU (Floating Storage and Regasification Unit)Eine FSRU ist ein schwimmendes Spezialschiff, das importiertes Flüssigerdgas (LNG) an Bord speichert, wieder in seinen gasförmigen Zustand zurückführt (Regasifizierung) und über eine Anbindungsleitung direkt in das Gasfernleitungsnetz einspeist.FahrplanEin Fahrplan ist die viertelstundenscharfe Nominierung von Energiemengen, die ein Bilanzkreisverantwortlicher beim Übertragungsnetzbetreiber einreicht. Er beschreibt geplante Energiemengen je Viertelstunde, insbesondere den Austausch zwischen Bilanzkreisen; Änderungen folgen den festgelegten Prozessen und Fristen.FahrplanabweichungEine Fahrplanabweichung ist die Differenz zwischen einer geplanten und der tatsächlichen Einspeisung oder Entnahme. Im Strommarkt kann sie zum Bilanzungleichgewicht beitragen; abgerechnet wird jedoch der gesamte zugeordnete Bilanzkreissaldo je Viertelstunde.FahrplanmanagementFahrplanmanagement bezeichnet die Planung und fristgerechte Meldung aller gehandelten, erzeugten und verbrauchten Energiemengen als Fahrplan an den zuständigen Übertragungsnetzbetreiber. Fahrpläne müssen in 15-Minuten-Auflösung für den Folgetag bis spätestens 14:30 Uhr gemeldet werden.FernauslesungFernauslesung ermöglicht die Erfassung von Zähler- oder Verbrauchsdaten, ohne das Gerät vor Ort manuell abzulesen. Die Technik reicht von Funkablesung außerhalb der Wohnung bis zur automatischen Übertragung an ein berechtigtes System.Fernleitungsnetzbetreiber (FNB)Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) betreiben die überregionalen Erdgastransportnetze und verantworten deren Betrieb, Wartung und Entwicklung. Sie verbinden unter anderem Grenzübergänge, Speicher, große Abnehmer und nachgelagerte Verteilnetze.
Erstgespräch