Energie-Glossar · V
Value-at-Risk (VaR)
Value-at-Risk (VaR) bezeichnet ein Verlustquantil für ein bestimmtes Portfolio, einen Zeithorizont und ein Konfidenzniveau. Die Kennzahl hängt vom verwendeten Modell ab und ist keine Obergrenze für tatsächlich mögliche Verluste.
Belegt durch:bis.org 1arxiv.org 2
Schwelle und Verlustausmaß
VaR
Expected Shortfall
Die wichtigsten Informationen zu Value-at-Risk (VaR)
- Zeithorizont, Konfidenzniveau und Modell gehören zu jeder VaR-Angabe.
- Ein VaR ist eine statistische Schwelle, kein garantierter Maximalverlust.
- Expected Shortfall ergänzt die Betrachtung des Verlustverteilungsrandes.
- Ein Limit löst nur die im Unternehmen vereinbarten Maßnahmen aus.
Wie ist ein VaR zu lesen?
Ein beispielhafter Ein-Tages-VaR von 500.000 Euro bei 95 Prozent bezeichnet das entsprechende Quantil der modellierten eintägigen Verlustverteilung. Größere Verluste bleiben möglich. Das bedeutet weder eine Garantie für den nächsten Tag noch einen festen Überschreitungstag in jedem Monat.
Wie wird er berechnet?
Historische Simulation, parametrische Verfahren und Simulationen verwenden unterschiedliche Annahmen und Daten. Ergebnisse sind deshalb nur bei vergleichbaren Portfolios, Horizonten und Modellbedingungen sinnvoll gegenüberzustellen. Neue Marktlagen, Abhängigkeiten und Datenlücken können die Aussagekraft beeinträchtigen.
Was unterscheidet Expected Shortfall?
VaR beschreibt eine Schwelle; Expected Shortfall berücksichtigt den durchschnittlichen Verlust im schlechtesten Anteil der Verteilung. Bei diskreten Verteilungen ist die genaue Definition einschließlich der Masse an der Quantilsgrenze wichtig. Beide Kennzahlen ersetzen keine Untersuchung konkreter Stressszenarien.
Wie lässt sich das in der Energiebeschaffung nutzen?
Ein Unternehmen kann offene Positionen anhand festgelegter Risikokennzahlen überwachen. Zuständigkeiten, Reaktionen auf Limitverletzungen und die Prüfung möglicher Absicherungen müssen gesondert geregelt werden. Aus der Kennzahl selbst entsteht weder ein automatischer Handelsauftrag noch eine Pflicht zur Anwendung bankaufsichtlicher Regeln. Zusätzlich sind Liquidität, Sicherheiten und Lieferantenausfälle zu betrachten.
Quellen & Verweise
- Basel Committee on Banking Supervision / BIS — Basel Framework – Market risk. bis.org · Abruf
- Carlo Acerbi / Dirk Tasche — On the coherence of Expected Shortfall. arxiv.org · Abruf
Häufige Fragen zu Value-at-Risk (VaR)
Ist VaR der schlimmstmögliche Verlust?
Nein. Verluste können die ausgewiesene Schwelle deutlich übersteigen.
Sind 95 Prozent eine Garantie?
Nein. Das Konfidenzniveau bezieht sich auf die verwendete Verlustverteilung und deren Annahmen.
