Energie-Glossar · C

Conditional VaR

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Conditional Value at Risk (CVaR), häufig Expected Shortfall genannt, beschreibt den mittleren Verlust im schlechtesten Anteil einer modellierten Verlustverteilung. Anders als der Value at Risk (VaR) berücksichtigt er damit auch die Höhe der Verluste jenseits einer Quantilschwelle.

Belegt durch:arxiv.org 1bis.org 2

VaR und Expected Shortfall

Quantilschwelle der VerlustverteilungVaR
Mittlerer Verlust im RandbereichCVaR / ES
Modell- und AnnahmenabhängigkeitGrenze
Schematische Einordnung; die im Text erläuterten Bedingungen und Abgrenzungen bleiben maßgeblich.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Conditional VaR

  • VaR beschreibt ein Verlustquantil, keine garantierte Obergrenze
  • CVaR/Expected Shortfall betrachtet den Durchschnitt des ungünstigsten Verteilungsanteils
  • Konfidenzniveau, Zeithorizont und Modellannahmen müssen angegeben werden
  • Das Ergebnis ist eine Risikoschätzung und keine Prognose eines sicheren Verlusts

Wie wird die Kennzahl gelesen?

Bei einem Niveau von 95 Prozent betrachtet Expected Shortfall den Durchschnitt der schlechtesten 5 Prozent der modellierten Ergebnisse. Zwei Portfolios können denselben 95-Prozent-VaR haben und dennoch sehr unterschiedliche Verluste in diesem Randbereich aufweisen.

Bei stetigen Verteilungen lässt sich dies als bedingter Erwartungswert oberhalb des VaR erklären. Bei diskreten Szenarien oder Wahrscheinlichkeitsmassen genau am Quantil ist eine passende Gewichtung notwendig; nur alle strikt größeren Werte zu mitteln kann falsch sein.

Was hilft das in der Energiebeschaffung?

Ein Unternehmen kann alternative Beschaffungsstrategien unter denselben Preis- und Mengenszenarien vergleichen. CVaR zeigt dann, wie schwer ungünstige Ergebnisse im Modell ausfallen. Es beweist aber nicht, dass ein Tranchenmodell einer einmaligen Fixierung generell überlegen ist.

Zu dokumentieren sind offene Mengen, Preisbezug, Betrachtungszeitraum und angenommene Abhängigkeiten. Historische Daten können neue Extremsituationen unterschätzen. Ergänzende Stressszenarien und Liquiditätsbetrachtungen bleiben sinnvoll.

Was sind die Grenzen?

Expected Shortfall kann bei geeigneter Definition Diversifikation konsistent abbilden; die mathematische Eigenschaft ersetzt jedoch keine Qualität der Eingabedaten. Fehlende Preisspitzen oder unrealistische Korrelationen führen auch mit einem guten Risikomaß zu einem schwachen Ergebnis.

Welche Risikoberichte oder Modelle ein Unternehmen rechtlich beziehungsweise vertraglich vorhalten muss, hängt von seinen Tätigkeiten und Aufsichtsregeln ab. Aus diesem Glossarbegriff folgt deshalb keine allgemeine Befreiung von bestimmten Risikomanagementpflichten.

Quellen & Verweise

  1. Carlo Acerbi und Dirk Tasche — Expected Shortfall: a natural coherent alternative to Value at Risk. arxiv.org · Abruf
  2. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht — Basel Framework – Market risk definitions. bis.org · Abruf

Häufige Fragen zu Conditional VaR

Ist der VaR mein maximaler Verlust?

Nein. Er ist eine Quantilschwelle für einen festgelegten Horizont. Verluste oberhalb dieser Schwelle sind möglich.

Was bedeutet 95-Prozent-CVaR?

Vereinfacht der mittlere Verlust im schlechtesten 5-Prozent-Anteil der Modellverteilung. Bei diskreten Daten ist die Gewichtung am Quantil zu beachten.

Beweist ein kleiner CVaR eine sichere Strategie?

Nein. Er gilt nur für das zugrunde gelegte Modell und die berücksichtigten Risiken. Neue Marktregime können anders ausfallen.

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