Energie-Glossar · V

VDE-AR-N 4105 / VDE-AR-N 4110

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

VDE-AR-N 4105 regelt Erzeugungsanlagen am Niederspannungsanschluss, VDE-AR-N 4110 Kundenanlagen am Mittelspannungsanschluss. FRT-, Einheiten- und Anlagenzertifikatsanforderungen hängen zusätzlich von Leistung und konkretem Anwendungsfall ab; die Netzanschlussebene allein bildet nicht alle Zertifizierungsanforderungen ab.

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VDE-AR-N 4105 und 4110 nach Netzanschluss

VDE-AR-N 4105

NetzanschlussNiederspannung
Weitere Anforderungenleistungs- und fallabhängig

VDE-AR-N 4110

NetzanschlussMittelspannung
FRT / Zertifikatenach konkretem Anwendungsfall
Die Regeln unterscheiden nach Netzanschlussebene; Anforderungen an FRT und Zertifikate sind leistungs- und fallabhängig.[1]

Die wichtigsten Informationen zu VDE-AR-N 4105 / VDE-AR-N 4110

  • VDE-AR-N 4105 regelt Erzeugungsanlagen am Niederspannungsanschluss; aktuelle Ausgabe 2026-03
  • VDE-AR-N 4110 regelt Kundenanlagen am Mittelspannungsanschluss
  • Leistung, Einspeisebegrenzung und Anlagenart beeinflussen zusätzliche Nachweise
  • NA-Schutz und Zertifikate nach anwendbarer Fassung und konkreter Konfiguration bestimmen
  • Dynamische Netzstützung ist nicht ausschließlich ein Thema der Mittelspannung

Welche Anlage braucht welche VDE-Anwendungsregel?

VDE-AR-N 4105 regelt den Anschluss und Parallelbetrieb von Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz; die aktuelle Ausgabe ist 2026-03. VDE-AR-N 4110 betrifft Kundenanlagen am Mittelspannungsanschluss. Eine pauschale Grenze von 500 kW unabhängig von der Spannungsebene trennt diese Regeln nicht zutreffend. Anlagenart, Leistung, zulässige Einspeisung und Übergangsregeln beeinflussen die zusätzlich erforderlichen Nachweise.

Bei größeren Erzeugungsanlagen und Speicherverbünden können leistungsabhängig zusätzliche elektrische Eigenschaften und Zertifikate erforderlich sein. Vereinfachungen im Nachweisverfahren sind keine allgemeine Aufhebung technischer Anschlussanforderungen. Die VDE-Entscheidungshilfe, die geltenden rechtlichen Nachweisregeln und die Netzbetreibervorgaben müssen gemeinsam auf den konkreten Anschluss angewendet werden.

Worin unterscheiden sich die technischen Anforderungen konkret?

NA-Schutz, Einheitenzertifikate, Komponentennachweise und gegebenenfalls ein Anlagenzertifikat erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Eine einfache Herstellererklärung genügt nicht pauschal für alle Anlagen nach 4105; umgekehrt benötigt nicht jede Mittelspannungsanlage ausnahmslos dasselbe Anlagenzertifikat. Schwellen, Vereinfachungen und Übergangsregelungen sind anhand der konkreten Auslegung zu bestimmen.

  • VDE-AR-N 4105: technische Anforderungen und geeignete Nachweise für Niederspannung; dynamische Netzstützung ist auch hier relevant.
  • VDE-AR-N 4110: Anforderungen an Mittelspannungs-Kundenanlagen; Zertifizierungsweg und Ausnahmen hängen vom konkreten Fall ab.
  • Fault-Ride-Through bedeutet, dass die Anlage bei einem kurzzeitigen Netzfehler am Netz bleibt und die Spannung stützt, statt sich abzuschalten

Was bedeutet das für Unternehmen und Hausverwaltungen mit größeren PV- oder Speicherprojekten?

Für Unternehmen, die eine größere Photovoltaikanlage, einen gewerblichen Batteriespeicher oder ein BHKW planen, ist die frühzeitige Klärung der anwendbaren Anwendungsregel ein wichtiger Planungsschritt, da sie unmittelbar die Anforderungen an Wechselrichter, Schutztechnik und Zertifizierungsaufwand bestimmt. Wird eine Anlage später erweitert und verändert dadurch maßgebliche Leistungs- oder Einspeisegrenzen, können zusätzliche Nachweise oder technische Anpassungen erforderlich werden – ein Umstand, den viele Betreiber bei der ursprünglichen Dimensionierung nicht einplanen.

Auch für Hausverwaltungen mit größeren Mieterstromprojekten oder gemeinschaftlichen PV-Anlagen auf mehreren Gebäuden eines Areals ist relevant, ob die addierte Anlagenleistung aller Erzeugungseinheiten die Schwellenwerte überschreitet – denn maßgeblich ist häufig nicht die Einzelanlage, sondern die Summenwirkleistung aller am selben Netzverknüpfungspunkt angeschlossenen Erzeuger.

Welche Rolle spielt der Netzbetreiber bei der Umsetzung?

Der zuständige Verteilnetzbetreiber prüft im Rahmen der Netzanschlussanfrage, welche Anwendungsregel für eine konkrete Anlage einschlägig ist, und fordert die entsprechenden Nachweise – Konformitätserklärung oder Anlagenzertifikat – vor der Inbetriebnahme an. Eine frühzeitige Abstimmung mit dem Netzbetreiber vermeidet Verzögerungen, die entstehen, wenn Zertifizierungsunterlagen erst nachträglich nach der technischen Fertigstellung der Anlage beschafft werden müssen.

In der Praxis empfiehlt sich, die Frage der anwendbaren Anwendungsregel bereits in der frühen Planungsphase eines Projekts zu klären und nicht erst kurz vor der geplanten Inbetriebnahme, da die Beschaffung eines Anlagenzertifikats nach VDE-AR-N 4110 in der Regel mehrere Wochen Vorlaufzeit benötigt und von der Verfügbarkeit akkreditierter Zertifizierungsstellen abhängt.

Quellen & Verweise

  1. VDE Forum Netztechnik/Netzbetrieb (VDE FNN) — Technische Anschlussregeln Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz (VDE-AR-N 4105). vde.com · Abruf
  2. VDE Forum Netztechnik/Netzbetrieb (VDE FNN) — Technische Anschlussregel Mittelspannung (VDE-AR-N 4110). vde.com · Abruf
  3. DKE/VDE — 4105: dynamische Netzstützung. dke.de · Abruf

Häufige Fragen zu VDE-AR-N 4105 / VDE-AR-N 4110

Ab welcher Leistung greift die VDE-AR-N 4110 statt der 4105?

Primär entscheidet die Netzanschlussebene: 4105 für Niederspannungs-Erzeugungsanlagen, 4110 für Mittelspannungs-Kundenanlagen. Leistung und konkrete Konfiguration beeinflussen weitere Eigenschaften und Nachweise. Die pauschale Aussage „4105 bis 500 kW unabhängig von der Spannungsebene“ ist falsch.

Was ist ein Anlagenzertifikat und wann brauche ich eines?

Ein Anlagenzertifikat bewertet die gesamte Erzeugungsanlage und das Zusammenwirken ihrer Komponenten. Ob es erforderlich ist oder ein vereinfachter Nachweis zulässig ist, folgt aus Leistung, Einspeisegrenze, Anschlusskonfiguration und geltenden Regeln; Mittelspannung allein beantwortet die Frage nicht abschließend.

Was bedeutet Fault-Ride-Through in der Praxis?

Fault-Ride-Through bezeichnet das definierte Verhalten beim Durchfahren vorübergehender Netzstörungen. Die Anlage darf sich innerhalb vorgegebener Grenzen nicht ungewollt trennen; Art und Umfang einer Netzstützung hängen von Regelwerk und Anlagentyp ab. Auch 4105 enthält Anforderungen an dynamische Netzstützung.

Zählt bei mehreren PV-Anlagen auf einem Areal die Einzel- oder die Summenleistung?

Maßgeblich ist in der Regel die Summenwirkleistung aller Erzeugungsanlagen am selben Netzverknüpfungspunkt. Werden dadurch Schwellenwerte überschritten, kann dies eine strengere Anwendungsregel und höheren Zertifizierungsaufwand nach sich ziehen.

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