Energie-Glossar · E
EUPHEMIA (Kopplungsalgorithmus)
EUPHEMIA berechnet als zentraler Kopplungsalgorithmus die Day-Ahead-Strompreise für alle am Single Day-Ahead Coupling teilnehmenden europäischen Gebotszonen gleichzeitig und verteilt dabei die verfügbaren grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten so, dass die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt maximiert wird.
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Gemeinsame Preisberechnung
Die wichtigsten Informationen zu EUPHEMIA (Kopplungsalgorithmus)
- Der Name EUPHEMIA steht für Pan-European Hybrid Electricity Market Integration Algorithm
- Entwickelt und betrieben im NEMO-Verbund (u. a. EPEX SPOT) im Rahmen des PCR-Projekts (Price Coupling of Regions)
- Bildet die Rechenbasis für das Single Day-Ahead Coupling (SDAC) in fast ganz Europa
- Regulärer Gebotsschluss im SDAC um 12 Uhr; Berechnung und Ergebnisveröffentlichung folgen danach
- Seit Herbst 2025 Umstellung von Stunden- auf Viertelstundenprodukte (15-Minuten-Marktzeiteinheit)
Was berechnet der EUPHEMIA-Algorithmus genau?
EUPHEMIA berechnet in SDAC Preise und Zuschläge für die Lieferintervalle des Folgetags in den teilnehmenden Gebotszonen. Eingaben sind Gebote der Strombörsen sowie Kapazitäten und Restriktionen der Übertragungsnetzbetreiber. Die Optimierung verfolgt gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt innerhalb dieser Bedingungen. Komplexe Gebote und technische Restriktionen bedeuten, dass das Ergebnis nicht mit einer einfachen Grenzkosten-Sortierung gleichzusetzen ist. Regulärer Gebotsschluss ist um 12 Uhr; für Veröffentlichung und mögliche Verzögerungen gelten die operativen Zeitpläne.
- Eingabe: anonymisierte Gebote aller teilnehmenden Marktteilnehmer je Gebotszone
- Nebenbedingung: verfügbare grenzüberschreitende Übertragungskapazität laut den Übertragungsnetzbetreibern
- Ausgabe: ein einheitlicher Preis je Gebotszone und Zeiteinheit (Uniform Pricing) plus die resultierenden Austauschflüsse
Wer entwickelt und kontrolliert EUPHEMIA – und was hat das mit Gebotszonen zu tun?
EUPHEMIA wurde im Price-Coupling-of-Regions-Verbund der Strombörsen entwickelt. NEMOs und Übertragungsnetzbetreiber arbeiten bei der Marktkopplung zusammen; Algorithmusmethodik und Änderungen unterliegen dem europäischen Regulierungsrahmen. Öffentliche Beschreibungen erläutern die Funktionsweise. Preise werden je Gebotszone berechnet. Deutschland bildet gemeinsam mit Luxemburg eine Zone; andere Länder haben teilweise mehrere Zonen. Begrenzte Austauschkapazitäten können unterschiedliche Zonenpreise bewirken.
Warum wurde 2025 auf Viertelstunden-Produkte umgestellt?
Seit dem SDAC-Liefertag 1. Oktober 2025 erfolgt die Preisberechnung im Viertelstundenraster. Daneben können je nach Markt weiterhin Gebotsprodukte mit längeren Zeitblöcken bestehen. Hintergrund ist eine europäische Vorgabe, wonach auch die Bilanzkreisabrechnung auf 15-Minuten-Werte umgestellt werden musste – der Day-Ahead-Handel folgt dieser feineren Zeitauflösung, damit Preissignal und Abrechnungstakt zusammenpassen. Für die Preisbildung bedeutet das: Wetterabhängige Erzeugung aus Photovoltaik und Wind sowie kurzfristige Lastspitzen lassen sich präziser abbilden, weil nicht mehr über eine ganze Stunde gemittelt werden muss.
- Genauere Preissignale für day-ahead-optimierte Batteriespeicher und Direktvermarktung von PV-Strom
- Feinere Grundlage für dynamische Stromtarife, die viertelstundenscharf abrechnen
- Mehr Rechenaufwand und häufigere Marktdaten für Marktteilnehmer mit eigener Beschaffung
Was bedeutet das für Unternehmen und Hausverwaltungen mit eigenem Energieeinkauf?
Für Unternehmen mit registrierender Leistungsmessung (RLM), eigenem PPA oder spotpreisbasierter Beschaffung wirkt sich die feinere Zeitauflösung direkt auf Planung und Abrechnung aus: viertelstündliche Preis- und Lastdaten müssen passend zur vereinbarten Abrechnung verknüpft werden, was höhere Anforderungen an Energiemanagement und Prognosetools stellt, im Gegenzug aber auch genauere Kosten- und Erlöszuordnung ermöglicht – etwa bei der Vermarktung eigener PV- oder Speicherkapazität. Hausverwaltungen mit Mieterstrom- oder PV-Speicher-Modellen sind indirekt betroffen, weil Lieferanten ihre Tarifmodelle zunehmend an den viertelstundenscharfen Spotpreis koppeln.
Quellen & Verweise
- ENTSO-E — Single Day-Ahead Coupling. entsoe.eu · Abruf
Häufige Fragen zu EUPHEMIA (Kopplungsalgorithmus)
Ist der Quellcode von EUPHEMIA öffentlich einsehbar?
Der Algorithmus selbst gehört den NEMO-Betreibern, seine Berechnungsmethodik wird jedoch von den Regulierungsbehörden geprüft und in öffentlich zugänglichen Dokumentationen beschrieben, auch wenn der Programmcode nicht vollständig offengelegt wird.
Betrifft die Umstellung auf Viertelstunden auch bestehende Stromlieferverträge?
Festpreisverträge sind kurzfristig nicht betroffen, weil sie unabhängig vom Spotpreis abgerechnet werden. Verträge mit variablem oder dynamischem Tarif orientieren sich dagegen zunehmend an der neuen viertelstundenscharfen Preisbildung.
Was ist der Unterschied zwischen EUPHEMIA und der Merit-Order?
Die Merit-Order veranschaulicht den Einsatz nach aufsteigenden Grenzkosten. EUPHEMIA verarbeitet tatsächlich abgegebene Kauf- und Verkaufsgebote, einschließlich komplexer Aufträge, sowie grenzüberschreitende Restriktionen in einer gemeinsamen Optimierung. Es ist daher mehr als eine reine Sortierung von Kraftwerken.
Läuft auch der Intraday-Handel über EUPHEMIA?
Teilweise: Der kontinuierliche Intraday-Handel nutzt fortlaufende Orderbücher und nicht die tägliche Day-Ahead-Auktion. Für die europäischen Intraday-Auktionen wird EUPHEMIA jedoch ebenfalls eingesetzt.
Gilt EUPHEMIA auch für den Gashandel?
Die hier beschriebene Anwendung betrifft den Stromhandel in SDAC und Intraday-Auktionen. Gashandel findet über andere Markt- und Handelsprozesse statt; Trading Hub Europe ist dabei ein Marktgebietsverantwortlicher und keine mit EPEX gleichzusetzende Strombörse.
