Energie-Glossar · E

Entry-Punkt

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Ein Entry-Punkt ist ein Einspeisepunkt im Entry-Exit-System des Gasmarkts, an dem Gas in ein Marktgebiet gelangt. Dazu zählen etwa Grenzübergänge, LNG-Terminals, Speicher und Biogaseinspeiseanlagen. Für die Nutzung werden Einspeisekapazitäten gebucht.

Belegt durch:prisma-capacity.eu 1help.prisma-capacity.eu 2bundesnetzagentur.de 3bundesnetzagentur.de 4

Transportkapazität ist ein eigenes Produkt

Eintritt in das GasmarktgebietEntry
Gebuchte TransportmöglichkeitKapazität
Gasmenge gesondert beschaffenHandel
Bedingungen und Laufzeit prüfenProdukt
Schematische Einordnung. Die im Text erläuterten Voraussetzungen und Grenzen bleiben maßgeblich.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Entry-Punkt

  • Entry-Kapazitäten werden als feste oder unterbrechbare Produkte vermarktet – feste Kapazität hat bei Engpässen Vorrang
  • Grenzüberschreitende Kapazitäten werden in Auktionen über die Buchungsplattform PRISMA vergeben
  • Seit 2022 grundlegend verschoben: Wegfall russischer Pipelineimporte, neue LNG-Entry-Punkte an Nord- und Ostsee
  • Kapazitätskosten können über die Beschaffung und Transportentgelte in den Gaspreis eingehen
  • Biogasanlagen benötigen für die Netzeinspeisung Entry-Kapazität und einen Einspeisevertrag mit dem Netzbetreiber

Wie werden Entry-Kapazitäten vergeben und gebucht?

Entry-Kapazitäten werden von den Fernleitungsnetzbetreibern als feste oder unterbrechbare Produkte vermarktet. Feste Kapazitäten sichern die Einspeisung nach den jeweiligen Produktbedingungen; unterbrechbare Kapazitäten sind günstiger, können bei Engpässen aber gekürzt werden – feste Buchungen haben dann Vorrang. Für grenzüberschreitende Punkte erfolgt die Vergabe in standardisierten Auktionen über die europäische Buchungsplattform PRISMA, mit Laufzeiten vom Jahres- bis zum untertägigen Produkt. Die Entgelte unterliegen der Regulierung durch die Bundesnetzagentur.

Auch dezentrale Einspeiser nutzen Entry-Punkte: Ein Biogasanlagenbetreiber, der aufbereitetes Biomethan ins Netz einspeisen will, benötigt eine Entry-Kapazität sowie einen Einspeisevertrag mit dem örtlichen Netzbetreiber. Gasspeicher wirken doppelt – beim Ausspeichern als Entry-Punkt ins Marktgebiet, beim Einspeichern als Exit-Punkt.

Wie hat sich die Struktur der Entry-Punkte seit 2022 verändert?

Die Bezugsstruktur des deutschen Gasmarkts hat sich seit 2022 grundlegend verschoben. Mit dem Wegfall der russischen Pipelineimporte verloren die östlichen Grenzübergangspunkte ihre frühere Rolle als Hauptbezugsquellen. Im Gegenzug entstanden mit dem Aufbau deutscher LNG-Terminals – etwa in Wilhelmshaven und Brunsbüttel – völlig neue Entry-Kapazitäten an Nord- und Ostsee, während die westlichen Grenzpunkte zu Belgien, den Niederlanden und Norwegen-Anbindungen an Bedeutung gewannen.

Diese Umkehr der Flussrichtungen hat praktische Folgen: Netzabschnitte, die auf Ost-West-Transporte ausgelegt waren, werden anders belastet, und die Verfügbarkeit fester Entry-Kapazität an den neuen Schwerpunkten bestimmt mit, wie flexibel Händler ihre Bezugsquellen mischen können. Die Struktur der Entry-Punkte ist damit von einer technischen Randnotiz zu einem Kernthema der Versorgungssicherheit geworden.

Was bedeuten Entry-Punkte für Ihre Gasrechnung?

Für Endkunden bleibt die Entry-Ebene unsichtbar – gewöhnliche Haushalts- und Gewerbekunden buchen nicht selbst Einspeisekapazität. Wirtschaftlich wirkt sie trotzdem: Die Kosten gebuchter Entry- und Exit-Kapazitäten gehen in die Kalkulation der Transportkunden und Lieferanten ein. Auf der Endkundenrechnung sind Entry-Kosten nicht zwingend als eigener Netzentgeltbestandteil erkennbar. Steigen die Kapazitätskosten, etwa durch neue Infrastruktur, schlägt sich das mittelbar im Endpreis nieder.

Auch auf den Großhandelspreis wirken Entry-Punkte: Engpässe an wichtigen Einspeisepunkten können regionale Preisunterschiede im europäischen Großhandel verursachen, weil Gas dann nicht ungehindert dorthin fließen kann, wo es nachgefragt wird. Wer als Unternehmen größere Mengen beschafft, spürt solche Spreads indirekt in den Angebotspreisen der Lieferanten – ein Grund, Beschaffungszeitpunkte und Marktlage professionell zu beobachten.

Quellen & Verweise

  1. PRISMA — PRISMA: Leistungen für Transportkunden. prisma-capacity.eu · Abruf
  2. PRISMA — Within-Day Auction Overview. help.prisma-capacity.eu · Abruf
  3. Bundesnetzagentur — Rückblick Gasversorgung 2025. bundesnetzagentur.de · Abruf
  4. Bundesnetzagentur — Biogaseinspeisung ins Gasnetz. bundesnetzagentur.de · Abruf

Häufige Fragen zu Entry-Punkt

Was ist der Unterschied zwischen fester und unterbrechbarer Entry-Kapazität?

Feste Kapazität sichert den Transport im vertraglich vereinbarten Umfang; Produktbedingungen und gesetzliche Eingriffsmöglichkeiten bleiben zu beachten. Unterbrechbare Kapazität ist günstiger, kann vom Netzbetreiber bei Bedarf aber gekürzt werden. Händler mischen beide Produkte je nach Versorgungsanspruch und Kostenkalkül.

Welche Entry-Punkte sind für Deutschland heute am wichtigsten?

Seit dem Wegfall russischer Pipelineimporte dominieren die westlichen und nördlichen Bezugswege: Grenzpunkte zu Belgien und den Niederlanden, die Norwegen-Anbindungen sowie die neuen LNG-Terminals an Nord- und Ostsee, etwa in Wilhelmshaven und Brunsbüttel.

Braucht eine Biogasanlage einen Entry-Punkt?

Ja, wenn sie aufbereitetes Biomethan ins Gasnetz einspeist. Der Betreiber benötigt dafür eine Entry-Kapazität und einen Einspeisevertrag mit dem Netzbetreiber. Anlagen, die ihr Rohbiogas direkt vor Ort verstromen, speisen dagegen nicht ins Gasnetz ein und brauchen keinen Entry-Punkt.

Zahle ich als Gaskunde direkt für Entry-Kapazitäten?

Nicht direkt. Die Kapazitätsentgelte zahlen die Transportkunden – also Händler und Lieferanten – an die Netzbetreiber. Die Kosten können in die Beschaffungs- und Lieferpreiskalkulation eingehen; sie sind nicht zwingend einzeln auf Ihrer Rechnung ausgewiesen.

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