Energie-Glossar · D

Dunkelflaute

Stand: Lesezeit ca. 2 Min.Verantwortlicher Fachprüfer: Jona LangenwalderQuellenabgleich mit KI-Unterstützung

Definition

Eine Dunkelflaute bezeichnet eine Phase mit gleichzeitig geringer Wind- und Solarstromerzeugung. Sie kann besonders im Winter mit hohem Strombedarf zusammenfallen. Andere erneuerbare Quellen wie Biomasse und Wasserkraft sind damit nicht automatisch ausgefallen.

Belegt durch:bundesnetzagentur.de 1

Wenig Wind und Sonne ausgleichen

Geringe Wind- und SolarerzeugungAusgangslage
Andere ErzeugungsanlagenErgänzung
Europäischer StromhandelVerbund
Knappheit kann Preise erhöhenPreise
Schematische Einordnung. Die im Text erläuterten Voraussetzungen und Grenzen bleiben maßgeblich.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Dunkelflaute

  • Gleichzeitig wenig Wind und kaum Sonne – meist im Winter bei hohem Verbrauch
  • Kann sich über mehrere Tage erstrecken; Wind- und Solarerzeugung sind gleichzeitig niedrig
  • Überbrückung durch steuerbare Kraftwerke, Speicher, Importe und Demand Response
  • Hohe Spotpreise sind möglich; feste Lieferpreise dämpfen die unmittelbare Wirkung je nach Vertrag
  • Zentrales Argument in der Debatte um Kapazitätsmechanismen und wasserstofffähige Backup-Kraftwerke

Was passiert im Stromsystem während einer Dunkelflaute?

In einer Dunkelflaute bricht die wetterabhängige Erzeugung großflächig weg: Hochnebel und Windstille über Mitteleuropa drücken Solar- und Windeinspeisung gleichzeitig auf einen Bruchteil der installierten Leistung – und zwar oft über zusammenhängende Regionen hinweg, sodass auch der europäische Stromaustausch nur begrenzt hilft. Solche Phasen können sich über mehrere Tage erstrecken und treffen typischerweise auf hohe Winterlast durch Heizung und Beleuchtung.

Die nach Abzug der Wind- und Solarerzeugung verbleibende Last – hier als Residuallast bezeichnet – muss dann aus anderen Quellen gedeckt werden: steuerbare Kraftwerke (heute vor allem Gas- und Kohlekraftwerke), Pumpspeicher und Batteriespeicher, Stromimporte über die europäischen Kuppelstellen sowie Demand-Response-Maßnahmen, die Verbrauch aus den kritischen Stunden verschieben. Batteriespeicher helfen dabei vor allem über Stunden; für mehrtägige Dunkelflauten gelten Langzeitspeicher wie Wasserstoff sowie wasserstofffähige Backup-Kraftwerke als langfristige Antwort.

Wie wirken sich Dunkelflauten auf die Strompreise aus?

Geringe Wind- und Solarerzeugung kann bei hoher Nachfrage die Börsenpreise erhöhen. Als historisches Beispiel nennt die Bundesnetzagentur für den 20. Januar 2025 knapp 590 Euro je Megawattstunde. Ein hoher Preis ist allein weder ein Beweis für Marktversagen noch für physische Versorgungsnot; dafür müssen Marktverhalten, verfügbare Anlagen und Netze gesondert betrachtet werden.

Für Unternehmen mit Spotpreisbindung oder dynamischen Tarifen bedeuten solche Phasen erhebliche Kostenspitzen. Die Betroffenheit hängt von der Beschaffungsstrategie ab: Festpreis- und Terminkomponenten begrenzen die direkte Preiswirkung für die abgesicherten Mengen und Zeiträume; Restmengen, Vertragsklauseln und Gegenparteirisiken bleiben zu prüfen. Spotpreisbindungen übertragen die Börsenbewegung nach ihrer jeweiligen Preisformel. Wer flexibel ist, kann Lasten verschieben und die teuersten Stunden meiden – wer nicht, sollte über eine Absicherung des unflexiblen Verbrauchssockels am Terminmarkt nachdenken.

Welche Antworten hat das Energiesystem auf Dunkelflauten?

Die Absicherung gegen Dunkelflauten ist eine Portfolioaufgabe aus mehreren Bausteinen:

  • Gesicherte Leistung: steuerbare Kraftwerke, die unabhängig vom Wetter liefern – perspektivisch zunehmend wasserstofffähige Gaskraftwerke als Backup.
  • Speicher: Batterien für Stunden, Pumpspeicher für Tagesausgleich, Wasserstoff und andere Langzeitspeicher für mehrtägige und saisonale Lücken.
  • Europäischer Verbund: Importe über Grenzkuppelstellen glätten regionale Wetterlagen – solange die Dunkelflaute nicht ganz Europa erfasst.
  • Flexibler Verbrauch: Demand Response verschiebt Lasten aus den kritischen Stunden und reduziert den Bedarf an Backup-Kapazität.

Für die Energiepolitik ist die Dunkelflaute das zentrale Argument für gesicherte Leistung: Systemanalysen zeigen, dass sehr hohe Erneuerbaren-Anteile erhebliche Investitionen in Backup-Kapazitäten, Netze und Langzeitspeicher erfordern. Das Phänomen treibt die Debatte um Kapazitätsmechanismen – also Vergütungssysteme, die das Vorhalten gesicherter Leistung bezahlen, nicht nur die gelieferte Energie – und den Bau neuer, perspektivisch mit Wasserstoff betriebener Gaskraftwerke.

Was können Unternehmen und Verbraucher konkret tun?

Die wichtigste Vorbereitung ist die ehrliche Analyse der eigenen Preisexposition: Welcher Anteil des Verbrauchs läuft gegen Spotpreise, und was würde eine mehrtägige Hochpreisphase kosten? Daraus folgt die Strategie – Absicherung des Sockels über Festpreis- oder Terminkomponenten, Flexibilisierung der verschiebbaren Lasten, gegebenenfalls Eigenerzeugung mit Speicher zur Teilautarkie in kritischen Stunden. Hausverwaltungen mit dynamischen Tarifen in der Liegenschaft sollten Bewohner auf das Preisrisiko im Winter hinweisen; die günstigen Sommerviertelstunden haben eine Kehrseite.

Eine Dunkelflaute bedeutet nicht automatisch einen Stromausfall. Die Versorgung hängt davon ab, ob Erzeugung, Importe, Speicher und flexible Nachfrage die Last unter den jeweiligen Netzbedingungen decken können. Kritische Betriebe sollten ihre betriebliche Notfallvorsorge unabhängig von der Beschaffungsstrategie planen; ein fester Strompreis ersetzt keine technische Versorgungsvorsorge.

Quellen & Verweise

  1. Bundesnetzagentur — Dunkelflaute? Kein Grund zur Panik. bundesnetzagentur.de · Abruf

Häufige Fragen zu Dunkelflaute

Wie lange dauert eine typische Dunkelflaute?

Meist Stunden bis wenige Tage; auch mehrtägige Ereignisse kommen vor, typischerweise im Spätherbst und Winter bei stabilen Hochnebellagen mit wenig Wind. Entscheidend ist weniger die Dauer als das Zusammentreffen mit hoher Last – deshalb sind Winterdunkelflauten kritischer als windstille Sommernächte.

Droht bei einer Dunkelflaute ein Blackout?

Eine Dunkelflaute ist für sich kein Blackout. Ausreichende steuerbare Erzeugung, Speicher, Importe und flexible Nachfrage können die geringe Wind- und Solarproduktion ausgleichen. Ob das gelingt, hängt von den verfügbaren Kapazitäten und Netzbedingungen ab. Preisabsicherung und technische Notfallvorsorge erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Schützt mich ein Heimspeicher vor Dunkelflauten-Preisen?

Nur begrenzt: Ein typischer Heimspeicher überbrückt Stunden, nicht Tage – und im Winter liefert die PV-Anlage wenig Nachladung. Er glättet Preisspitzen einzelner Abende, ersetzt aber keine Absicherungsstrategie. Wirksamer ist die Kombination aus Lastverschiebung und einem Tarif, der zum eigenen Risikoprofil passt.

Warum baut Deutschland neue Gaskraftwerke, obwohl die Erneuerbaren ausgebaut werden?

Steuerbare Kraftwerke können Bedarf decken, wenn wetterabhängige Erzeugung gering ist. Wie viele und welche Anlagen benötigt werden, hängt auch von Netzen, Speichern, Importen und Nachfrageflexibilität ab. Wasserstofffähige Kraftwerke sind eine Option; ihre Klimawirkung hängt unter anderem von Herstellung und Herkunft des tatsächlich eingesetzten Wasserstoffs ab.

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