Energie-Glossar · B
Bifaziales Modul
Ein bifaziales Modul ist ein PV-Modul mit beidseitig aktiven Solarzellen. Es nutzt direktes Licht auf der Vorderseite und bei geeigneter Installation auch reflektiertes Licht auf der Rückseite. Ein möglicher Mehrertrag ist standort- und installationsabhängig; wichtige Faktoren sind Albedo, Bodenabstand, Verschattung, Ausrichtung und Bifazialitätsfaktor.
Belegt durch:joint-research-centre.ec.europa.eu 1publications.jrc.ec.europa.eu 2ise.fraunhofer.de 3
Bifaziales und monofaziales Modul
Monofazial
Bifazial
Die wichtigsten Informationen zu Bifaziales Modul
- Beide Zellseiten können Licht nutzen; die Rückseite muss ausreichend bestrahlt werden
- Glas-Glas-Aufbau und Bifazialität sind unterschiedliche Eigenschaften
- Mehrertrag hängt von Untergrund, Montage, Rückseitenverschattung und Modul ab
- Bifazialitätsfaktor beschreibt das Verhältnis der Seiten unter vergleichbaren Messbedingungen, nicht den jährlichen Mehrertrag
Wie funktioniert ein bifaziales Modul?
Bifaziale Solarzellen wandeln auf beiden Seiten Licht in Strom um. Ein lichtdurchlässiger rückseitiger Modulaufbau ermöglicht den Lichteinfall. Glas-Glas ist eine mögliche Bauweise, aber weder eine notwendige Definition der Bifazialität noch allein ein Nachweis für beidseitig aktive Zellen.
Der Bifazialitätsfaktor beschreibt das Verhältnis der rückseitigen zur vorderseitigen Leistung beziehungsweise einer definierten Messgröße unter vergleichbaren Prüfbedingungen. Er ist nicht der jährliche Mehrertrag. Dieser hängt vor allem davon ab, wie viel Licht die Rückseite erreicht: Albedo, Montagehöhe, Ausrichtung und Verschattung sind gemeinsam zu betrachten.
Wo lohnt sich der Einsatz – und wo nicht?
Am meisten bringt die Technik dort, wo die Rückseite tatsächlich Licht erreicht. Drei Einsatzfelder stechen heraus:
- Freiflächenanlagen: Rückseitenbestrahlung und Reihenanordnung lassen sich standortbezogen planen
- Senkrechte Ost-West-Installationen, etwa an Zäunen oder in der Agri-PV: anderes Tagesprofil als eine geneigte Südausrichtung
- Aufgeständerte Anlagen über hellen Flächen: Flachdächer mit Kiesschüttung, Carports und Überdachungen mit ausreichender Bauhöhe
Bei dachnaher Montage ist die rückseitige Einstrahlung häufig stark eingeschränkt. Der Aufpreis muss deshalb mit einem realistischen Mehrertrag verglichen werden. Glas-Glas-Aufbau, Garantie und erwartete Haltbarkeit sind getrennt zu bewerten; daraus folgt keine allgemeine Lebensdauergarantie.
Worauf sollten Sie bei Planung und Wirtschaftlichkeit achten?
Ein pauschaler Zuschlag von 5 bis 30 Prozent ist keine belastbare Standortprognose. Die JRC-Untersuchung zeigt, dass unterschiedliche Konfigurationen gegenüber derselben Referenz auch sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern können. Eine Ertragsrechnung muss deshalb die tatsächliche Geometrie, Verschattung und den Untergrund abbilden. Werben Anbieter mit Mehrertrag, sollte die Referenzanlage eindeutig benannt sein.
Technisch ist außerdem die Auslegung von Wechselrichter und Verkabelung zu prüfen: Durch den Rückseitenbeitrag kann die tatsächliche Modulleistung über der Frontseiten-Nennleistung liegen, was bei der Dimensionierung berücksichtigt werden muss. Für Gewerbeobjekte gilt: Ein Angebot sollte den kalkulierten bifazialen Mehrertrag transparent ausweisen und begründen – pauschale Zuschläge ohne Blick auf Untergrund und Aufständerung sind ein Warnsignal.
Nach Inbetriebnahme hilft ein Soll-Ist-Vergleich, Abweichungen zu erkennen. Mögliche Ursachen sind unter anderem Bewuchs, Verschattung, Verschmutzung, Wetterunterschiede und technische Störungen. Ohne Messung lässt sich keine einzelne Ursache sicher zuordnen, und nicht jede Abweichung ist mit geringem Aufwand behebbar.
Quellen & Verweise
- Europaeische Kommission – Joint Research Centre — PVGIS data sources and calculation methods. joint-research-centre.ec.europa.eu · Abruf
- Europaeische Kommission – Joint Research Centre — State-of-the-art assessment of solar energy technologies. publications.jrc.ec.europa.eu · Abruf
- Fraunhofer ISE — Bifaziale Module unter realistischen Bedingungen analysieren. ise.fraunhofer.de · Abruf
Häufige Fragen zu Bifaziales Modul
Lohnen sich bifaziale Module auf einem normalen Schrägdach?
Bei engem Abstand zur Dachhaut erreicht oft wenig Licht die Rückseite. Ob ein Mehrpreis sinnvoll ist, hängt vom konkreten Aufbau und Vergleichsangebot ab. Glas-Glas-Bauweise und Bifazialität sollten getrennt bewertet werden.
Was sagt der Bifazialitätsfaktor aus?
Er beschreibt die rückseitige im Verhältnis zur vorderseitigen Leistung beziehungsweise einer spezifizierten Messgröße bei vergleichbaren Bedingungen. Er ist kein Prozentsatz für den zusätzlichen Jahresertrag am Standort.
Wie viel Mehrertrag ist realistisch?
Das muss für Standort und Montage berechnet werden. Untergrund, Reihenabstände, Montagehöhe und Rückseitenverschattung können den Effekt erheblich verändern. Ein pauschaler Mehrertrag ist keine zugesicherte Anlagenleistung.
Warum werden bifaziale Module in Freiflächenanlagen eingesetzt?
Bei geeigneter Montage kann zusätzliche rückseitige Einstrahlung genutzt werden. Ob dadurch die Stromgestehungskosten sinken, hängt aber auch von Modulpreis, Unterkonstruktion und tatsächlichem Ertrag ab.
