Grenzkosten
Grenzkosten bezeichnen die zusätzlichen Kosten, die durch die Produktion einer weiteren Einheit Energie entstehen. Im Strommarkt entsprechen sie den variablen Erzeugungskosten einer Anlage, insbesondere Brennstoff- und CO₂-Kosten. Sie sind entscheidend für die Merit-Order-Reihenfolge der Kraftwerkseinsatzplanung.
Grundprinzipien
Kraftwerke werden im Strommarkt nach ihrer Merit Order eingesetzt: von den günstigsten (Wind, Sonne mit nahezu null Grenzkosten) bis zu den teuersten (Ölkraftwerke). Das zuletzt zur Deckung der Nachfrage benötigte Kraftwerk setzt den Marktpreis. Grenzkosten beinhalten variable Betriebsmittel, Brennstoff und CO₂-Zertifikate.
Anwendung in der Praxis
Ein Gaskraftwerk mit einem Brennstoffpreis von 40 €/MWh und einem Wirkungsgrad von 50 % hat Brennstoffkosten von 80 €/MWh; hinzu kommen CO₂-Kosten je nach Emissionsfaktor. Bei niedrigen Gaspreisen verdrängt Gas häufig Kohle aus der Merit Order.
Energiewirtschaftliche Bedeutung
Grenzkosten bestimmen das kurzfristige Angebots- und Preisverhalten am Spotmarkt. Die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien mit nahezu null Grenzkosten senkt den Börsenstrompreis strukturell – bekannt als Merit-Order-Effekt.
Einordnung im Prozess
Relevant bei Energiebeschaffung, Portfoliooptimierung und Preisrisikosteuerung
